IPCC-Arbeitsgruppe 1: Bericht, Freitag, 27. September 2013 10:56

Ozeane aus salziger Limonade

Die Teilnehmer des Extremwetterkongresses in Hamburg fühlen sich vom IPCC-Bericht, dessen erster Teil heute veröffentlicht wurde, in ihren Forschungsergebnissen bestätigt. Gleichzeitig warnen sie vor den Folgen des Klimawandels für Deutschland, die teilweise schon jetzt spürbar sind.

Aus Hamburg Daniel Seemann

Strahlender Sonnenschein in der Hamburger Hafencity, es weht ein laues Lüftchen, spätsommerliche Temperaturen, der Jahreszeit entsprechend. Dass diese gewohnten Wetterlagen in der Zukunft nicht so bleiben müssen und vom fortschreitenden Klimawandel nachhaltig verändert werden, war einer der Schlüsse, den die Teilnehmer des Extremwetterkongresses in Hamburg aus dem aktuellen IPCC-Bericht gezogen haben.

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Sehen sich vom aktuellen IPCC-Bericht in ihrer eigenen Forschung bestätigt (v.l.): Mojib Latif, Geomar; Paul Becker, Deutscher Wetterdienst; Frank Böttcher, Institut für Wetter- und Klimakommunikation; Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung; Sven Plöger, Institut für Wetter- und Klimakommunikation. (Foto: IWK)

"Der Sachstandsbericht zeigt auf, dass es weiterhin möglich wäre, mit engagiertem weltweiten Klimaschutz die Erwärmung auf unter zwei Grad zu halten", sagte Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Das sei eine große Herausforderung für Politik und Wirtschaft, werde aber nicht als solche erkannt. "Wir haben es aber immer noch in der Hand", sagte er. Damit bestätigt Latif auch die Prognosen anderer Wissenschaftler – etwa von Hartmut Graßl, einem von Deutschlands renommiertesten Klimaforschern und klimaretter.info-Mitherausgeber.

Trotzdem seien die Folgen des Klimawandels in Deutschland bereits spürbar, betonte Paul Becker, Vizechef des Deutschen Wetterdienstes. "Machen wir weiter wie bisher, so zeigen die Modelle eine globale Erwärmung um etwa vier Grad bis zum Ende des Jahrhunderts", sagte er. Dadurch würden sich auch bisher gewohnte Wetterlagen verändern: "Das typische norddeutsche Schauerwetter aus Nordwest wird es in Zukunft so häufig dann nicht mehr geben", sagte er.

28 Prozent der Treibhausgase gehen in die Weltmeere

Gerade bei den extremen Wetterereignissen sei jedoch der Blick auf das Ganze wichtig, so war auf dem Kongress zu hören. Nur so könnten die Vorgänge eingeordnet werden. Der Trend zu mehr Extremereignissen bei Hitzewellen und hohen Temperaturen in Deutschland werde sich weiter fortsetzen.

Starkregenereignisse würden zwar proportional nicht in dem Maße zunehmen. Gerade die Wärmerekorde gingen aber zum großen Teil auf das Konto des Klimawandels, sagte Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Wird heute von einer Wetterstation der wärmste Monat seit Beginn der Messungen registriert, ist das zu 80 Prozent ein Resultat der globalen Erwärmung", sagte er.

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ie Ozeane versauern und werden immer lebensfeindlicher für die dort lebenden Organismen. (Foto: Frank Rödel/Alfred-Wegener-Institut)

Auch die Zusammensetzung von Nord- und Ostsee wird sich durch den Klimawandel verändern: Wie vom IPCC bestätigt wird, wird das in die Atmosphäre ausgestoßene CO2 zu etwa 28 Prozent von den Weltmeeren aufgenommen. Dort sammelt es sich in Form von Kohlensäure und stellt dadurch eine Gefährdung der Ökosysteme dar, wie Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation erläuterte: "Durch den wachsenden CO2-Ausstoß werden die Weltmeere immer saurer", sagte er. "Bildlich gesprochen verwandeln sich die Ozeane dadurch langsam in eine salzige Limonade."