IPCC-Arbeitsgruppe 1: Bericht, Mittwoch, 12. Februar 2014 12:41

Sonnenaktivität lässt das Klima kalt

Neuere Forschung: Eine britische Studie zum Einfluss der Sonnenaktivität auf das Klima in den letzten tausend Jahren hat nur geringe Effekte ergeben. Die Sonne ist demnach zwar für regionale Temperaturschwankungen verantwortlich – die globale Erwärmung wird dagegen zum allergrößten Teil durch anthropogene Treibhausgase verursacht. 

Von Michael Bittner

In dem Maße, wie sich die Berichte über eine globale "Erwärmungspause" als verfrüht herausstellen, rückt eine andere bei Klimaskeptikern beliebte Theorie wieder in den Vordergrund. Danach soll die Sonnenaktivität – und nicht der Treibhausgasausstoß aus der fossilen Energieproduktion – für den Temperaturanstieg auf der Erde hauptverantwortlich sein. Künftig dürfte den Verfechtern eines überwiegend sonnengesteuerten Klimas jedoch das Argumentieren schwerer fallen.

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Die Sonnenaktivität beeinflusst die langfristige Temperaturentwicklung in kleineren Regionen wie Europa, nicht jedoch in der gesamten nördlichen Hemisphäre: Sonne in einer Röntgenaufnahme der Nasa. (Foto: GSFC)

Forscher um Andrew Schurer und Gabriele Hegerl von der Universität Edinburgh haben Klimadaten der letzten tausend Jahre aus historischen Messungen und Baumring-Analysen rekonstruiert und mit Klimasimulationen von längeren Perioden mit besonders starker und schwacher Sonnenaktivität verglichen. Auf der Nordhalbkugel gab es demnach innerhalb dieser tausend Jahre deutliche Temperaturschwankungen. In der Theorie der Klimaskeptiker werden vor allem die mittelalterliche Warmzeit von etwa 950 bis 1250 und die sogenannte Kleine Eiszeit zwischen 1450 und 1850 auf eine besonders hohe beziehungsweise niedrigere Sonnenaktivität zurückgeführt.

Die britischen Forscher konnten nun aber zeigen, dass eine veränderte Sonnenaktivität zwar die saisonalen und regionalen Schwankungen erheblich beeinflusst, aber kaum etwas mit den gemittelten längerfristigen Klimaschwankungen auf der nördlichen Halbkugel zu tun hat. Bis zum Jahr 1800 waren es nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler vor allem Vulkanausbrüche, die für eine geringere Sonneneinstrahlung und einen Rückgang bei Temperaturen und Niederschlägen sorgten. Etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts sei dann der anthropogene Treibhausgasausstoß hauptverantwortlich für die seitdem stetig steigenden Temperaturen, heißt es in der Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Geoscience erschien.

"Im 20. Jahrhundert dominieren anthropogene Einflüsse"

Die Ergebnisse aus Edinburgh bestätigen Untersuchungen des Schweizer Klimatologen Stefan Brönnimann. Der Professor am Geografischen Institut der Universität Bern erforscht mit seinem Team, wie großräumige Klimaschwankungen durch Sonnenaktivität, Vulkanismus oder die Ozeane beeinflusst werden. Wie Brönnimann im Interview mit klimaretter.info erläuterte, bewirkt die Sonnenaktivität nach seinen Erkenntnissen lediglich eine regionale Umverteilung von Wärme auf der Erde und hat auf die mittlere globale Temperatur allenfalls einen Einfluss im 0,1-Grad-Bereich. Das ist wenig im Vergleich zur Erwärmung durch den CO2-Treibhauseffekt, bei dem es dem aktuellen IPCC-Bericht zufolge um mehrere Grad bis zum Ende des Jahrhunderts geht.

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Temperaturentwicklung in der nördlichen Hemisphäre seit dem Jahr 800 (oben): Rekonstruierte Oberflächentemperatur (blau) bzw. Messungen (schwarz) im Vergleich zu starken (grün) und schwachen (rot) Sonneneinflüssen. Senkrechte graue Linien markieren starke Vulkanausbrüche. (Grafik vergrößern) (Bild: A. Schurer et al.)

Die Edinburgher Studie hält einen Anteil der Sonnenaktivität von mehr als 0,15 Grad an der in den letzten 300 Jahren beobachteten Erwärmung um etwa ein Grad Celsius für unwahrscheinlich. "Im 20. Jahrhundert dominieren anthropogene Einflüsse, und den größten Einfluss haben Treibhausgase", schreiben die Forscher. Sie betonen nochmals, dass regionale Temperaturänderungen – etwa in Europa – sehr wohl von der Sonnenaktivität beeinflusst werden können. Das gelte jedoch nicht für die Mitteltemperatur auf der Nordhalbkugel oder weltweit. Gerade diese Unterscheidung ist es, die bei Klimaskeptikern meist unter den Tisch fällt.