IPCC-Arbeitsgruppe 1: Bericht, Donnerstag, 30. Januar 2014 22:44

Veröffentlicht: Das erste Kapitel zum 5. Sachstand

1.535 Seiten, 600 Diagramme und 2 Millionen Gigabyte ausgewertete Daten: Diesen Donnerstag hat der Weltklimarat IPCC in Genf den fertigen Band 1 seines 5. Sachstandsberichts vorgelegt.

Aus Berlin Toralf Staud

Die Zusammenfassung war längst fertig, was noch fehlte, war der ausführliche Text: In Genf ist heute der erste Teilband des 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC in seiner endgültigen Fassung veröffentlicht worden. 1.535 Seiten ist er lang und enthält etwa 600 Diagramme, mehr als 9.000 Studien flossen ein und mehr als 2 Millionen Gigabyte Rohdaten aus Klimamodellrechnungen. Unter dem Titel "Climate Change 2013: The Physical Science Basis" hat die Working Group 1 nun also das endredigierte Resultat ihrer gut sechsjährigen Arbeit vorgelegt.

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Das Titelblatt von 1.535 Seiten: Kapitel 1 des 5. Sachstadsberichtes. (Foto IPCC)

Nach dem 30-seitigen langen "Summary for Policymakers" - der Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger - folgt darin eine über 80 Seiten füllende "Technische Zusammenfassung" der Ergebnisse. Dann schließen sich 14 Einzelkapitel an, die von je eigenen Autorenteams verantwortet wurden und sich etwa mit den künftigen Änderungen von Temperatur, Meeresspiegel und Eisbedeckung befassen, den Einfluss des Menschen oder die Qualität der Prognosemodelle untersuchen. Ab Seite 1.311 folgen sechs Anlagen, darunter ein Atlas globaler und regionaler Klimaprojektionen. 796cfe7d7f2344d6bdad450fa5b3cb7e

"Der Klimawandel ist unzweifelhaft, der Einfluss des Menschen auf das Klimasystem eindeutig", erklärte der Weltklimarat zur heutigen Veröffentlichung. Gleichzeitig legte der IPCC alle Entwürfe zum Schlussbericht offen, außerdem alle 54.677 Kommentare, die während des Review-Prozesses von externen Gutachtern dazu eingereicht wurden - samt schriftlichen Antworten der Autorenteams dazu. "Eine Begrenzung der Erderwärmung erfordert eine erhebliche Reduzierung der Treibhausgase", mahnt der Weltklimarat.

IPCC-Berichte fallen eher konservativ aus

Arbeitsgruppe I war von Qin Dahe, Chef der chinesischen Meteorologiebehörde in Peking, und Thomas Stocker von der Universität Bern geleitet worden. Alle Autoren arbeiteten, wie beim IPCC üblich, ehrenamtlich. Die Kosten des AG-Sekretariats an der Universität Bern trug die Regierung der Schweiz. Der Chinese Qin Dahe ist Spezialist für kalte und trockene Regionen der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Lanzhou. Qin Dahe bedankte sich bei den hunderten Mitautoren und mehr als tausend externen Fachgutachtern. Sein Ko-Vorsitzender Stocker erklärte, jetzt stünden aktuelle und verlässliche Informationen darüber bereit, "was sich im Klimasystem geändert hat und warum". Und welche Änderungen es in Zukunft geben werde.

Die IPCC-Autoren sind ausgewiesene Experten ihres Fachs und haben den Auftrag, einen unbedingt verlässlichen Überblick über die aktuelle Fachliteratur zu bieten. Entsprechend fallen die Bewertungen und Schlussfolgerungen der IPCC-Berichte eher konservativ aus. Vergleicht man ältere Veröffentlichungen mit der eingetretenen Realität, so zeigt sich, dass wichtige Aspekte des Klimawandels schneller und stärker abgelaufen sind, als dies vom IPCC prognostiziert worden war. Der Vorwurf, der Weltklimarat sei alarmistisch, wirkt daher ziemlich absurd.

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Ko-Vorsitzender Professor Thomas Stocker stellte am 27. September die Ergebnisse der Regierungskonsultationen in Stockholm vor. (Foto: Screenshot)

In zwei Monaten folgt Band 2 des 5. Sachstandsberichtes: Vom 25. bis 29. März wird im japanischen Yokohama die Zusammenfassung zum Themenkomplex "Folgen des und Anpassung an den Klimawandel" mit den im IPCC vertretenen Regierungen abgestimmt und anschließend veröffentlicht. Danach geht es nach Berlin: Arbeitsgruppe 3 wird ihren Teilband zur "Minderung des Klimawandels" zwischen dem 7. und 11. April abschließen. Zu guter Letzt wird vom 27. bis 31. Oktober 2014 in Kopenhagen der sogenannte Synthesebericht verabschiedet.