IPCC-Arbeitsgruppe 1: Bericht, Montag, 09. Dezember 2013 00:00

Neues Treibhausgas entdeckt

Neuere Forschung: PFTBA – so heißt ein neues Treibhausgas, das kanadische Wissenschaftler entdeckt haben. Es handelt sich um Perfluortributylamin, das nicht natürlich vorkommt und seit Mitte des 20. Jahrhunderts in der Elektroindustrie eingesetzt wird. Das Gas ist mehr als 7.000-mal so klimawirksam wie Kohlendioxid.

Aus Berlin Lea Meister

Das Gas Perfluortributylamin (PFTBA) kommt nicht natürlich vor, sondern wird künstlich hergestellt – und das schon seit Mitte des 20. Jahrhunderts. PFTBA kommt bei der Produktion von Teilen für die Elektroindustrie zum Einsatz. Nun haben Wissenschaftler der Universität Toronto herausgefunden, dass das Gas die Erderwärmung vorantreibt. Und zwar nicht unerheblich: Wie die Forscher im Rahmen einer Studie herausgefunden haben, die jetzt in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde, ist ein Molekül PFTBA 7.100-mal klimawirksamer als ein Molekül CO2.

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Perfluortributylamin entsteht in der Elektroindustrie. (Foto: Thomas Rosenau/Wikimedia Commons)

Treibhausgase tragen zur Erderwärmung bei, weil sie einen Teil der Infrarotabstrahlung der Erde absorbieren und die Wärme wieder an die Erde abgeben, die ansonsten ins Weltall entweichen würde. Wie stark ein – natürlich vorkommendes oder künstlich hergestelltes – Treibhausgas zur Erderwärmung beiträgt, wird mit der Maßzahl des Treibhausgaspotenzials (Global Warming Potential, GWP) in CO2-Äquivalenten angegeben. Das Treibhauspotenzial von PFTBA liegt, bezogen auf einen Zeitraum von 100 Jahren, bei 7.100. Damit ist PFTBA sehr viel klimawirksamer als Lachgas mit einem Treibhausgaspotenzial von 264, aber weniger klimaschädlich als FCKW mit einem Treibhauspotenzial von 23.000.

500 Jahre in der Atmosphäre

Berücksichtigt werden bei dieser Rechnung neben den Absorptionseigenschaften auch die Verweilzeiten in der Atmosphäre. Die kanadischen Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die PFTBA-Moleküle für 500 Jahre in der Atmosphäre verbleiben, bevor sie abgebaut werden. Damit liegt PFTBA im mittleren Bereich: Lachgas bleibt für etwa 120 Jahre erhalten, Schwefelhexafluorid gar für 3.200 Jahre.

Entscheidend für die Klimaschädlichkeit eines Gases ist natürlich auch dessen Menge. So hat zwar CO2 nur ein Treibhauspotenzial von 1, ist aber durch die ausgestoßene Menge für etwa die Hälfte des vom Menschen verursachten Treibhauseffekts verantwortlich. Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) sind mengenmäßig viel seltener, tragen aber aufgrund ihrer höheren Klimawirksamkeit dennoch mit elf Prozent zum Treibhauseffekt bei. Methan ist für rund 16 Prozent des Treibhauseffekts verantwortlich, Lachgas für fünf Prozent und bodennahes Ozon für zwölf Prozent. Für PFTBA gibt es hierzu noch keine Zahlen, weil nicht bekannt ist, in welchen Mengen es weltweit freigesetzt wird.

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Ein Stickstoff und viel Flour dazu: Das Gas verbleibt für 500 Jahre in der Atmosphäre. (Foto: KRA)

Welche Rolle PFTBA für die internationale Klimapolitik spielen wird, ist ebenso noch vollkommen offen. "Gefährliche Stoffe werden heute untersucht und es wird anerkannt, dass sie dem Klima schaden – die Politik muss dann entscheiden, ob die Stoffe ins Kyoto- und Montreal-Protokoll aufgenommen werden", sagte John Philip Burrows, Professor am Institut für Umweltphysik der Universität Bremen. Im Montreal-Protokoll wurden FCKWs verboten, im Kyoto-Protokoll verpflichteten sich Staaten, unter anderem ihre Methan- und CO2-Emissionen einzuschränken.