IPCC-Arbeitsgruppe 1: Bericht, Mittwoch, 12. März 2014 10:36

Forscher entdecken vier neue Treibhausgase

Neuere Forschung: Schlechte Nachrichten für Klima und Ozonschicht: Wissenschaftler haben vier bislang unbekannte FCKWs in der Atmosphäre entdeckt. Die Gase stammen wahrscheinlich aus industriellen Prozessen auf der Nordhalbkugel.

Aus Leipzig Eva Mahnke

Die Liste der Treibhausgase ist um vier Einträge länger geworden: Wissenschaftler der University of East Anglia haben vier Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW aufgespürt, von deren Existenz noch niemand wusste. Bislang hätten sich bereits rund 74.000 Tonnen davon in der Atmosphäre angesammelt, schreiben die Forscher in einem Artikel, der im Fachmagazin Nature Geoscience erschienen ist. Soviele FCKWs wurden seit den 1990er Jahren - seit Inkrafttreten des Montreal-Protokolls - nicht ausgestoßen. Ihre Menge liegt aber noch weit unter dem, was noch in den 80er Jahren emittiert wurde.

Bild
Die Ozonschicht schützt die Menschen vor einer zu starken Sonneneinstrahlung, die beispielsweise Hautkrebs verursachenh kann. (Foto: Nasa / Wikimedia Commons)

Entdeckt haben die Wissenschaftler die Stoffe, als sie aktuelle Luftproben mit Luft verglichen, die seit langer Zeit in Schnee in der Arktis eingeschlossen, sowie Luftproben, die zwischen 1978 und 2012 in einer bislang unberührten Gegend in Tasmanien südlich des australischen Festlandes genommen wurden. Diese weisen nach: Die FCKWs werden erst seit Kurzem in die Atmosphäre geblasen. "Unsere Forschung hat vier Gase gezeigt, die sich bis zu den 1960er Jahren nicht in der Atmosphäre befanden", sagte der Leitautor der Studie Johannes Laube. "Das legt nahe, dass sie von Menschen gemacht sein müssen."

Woher die Gase stammen, wissen die Wissenschaftler nicht. "Das sollte nun untersucht werden", so Laube. Auffällig ist, dass alle vier Gase in den Proben aus der Arktis früher auftauchen als in den Proben aus Tasmanien. Das deutet darauf hin, dass sie auf der Nordhalbkugel ausgestoßen wurden. Als mögliche Quellen nennen Laube und seine Kollegen die Produktion von Insektiziden oder Lösungsmitteln, die in der Elektronikindustrie zum Einsatz kommen.

Bislang kannte die Wissenschaft sieben FCKWs und sechs H-FCKWs, die sogenannten Hydrochlorfluor-Kohlenwasserstoffe, eine Sonderform der Fluorchlorkohlenwasserstoffe. Mit der Neuentdeckung erhöht sich die Zahl der FCKW auf zehn, die der H-FCKWs auf sieben. Die Gase schädigen nicht nur die Ozonschicht der Erde, sondern beschleunigen auch den Klimawandel.

Weil die FCKWs chemisch kaum mit anderen Stoffen reagieren, sind sie in der Regel besonders langlebig. Das heißt, einmal freigesetzt verbleiben sie lange in der Atmosphäre und haben deshalb ein sehr hohes Treibhauspotenzial und können auch in der Ozonschicht für lange Zeiträume ihr zerstörerisches Potenzial entfalten. Das gilt auch für drei der vier neu entdeckten Gase. Selbst wenn also die Quellen für die Gase schnell gefunden werden und die Produktion daraufhin gestoppt wird, wirken sie weiter fort. Zwei der vier FCKW nehmen zudem bislang noch erheblich zu.

Das 1987 verabschiedete Montreal-Protokoll verbietet die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen. Es trat 1989 in Kraft und regelt die schrittweise Abschaffung von rund 100 Chemikalien. Im Jahr 2040 sollen die letzten dieser Substanzen aus dem Verkehr gezogen werden. Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass sich die Ozonschicht zwischen 2060 und 2070 wieder vollständig regeneriert haben wird. Diese Einschätzung muss nun möglicherweise korrigiert werden. Problematisch ist, dass viele der heute verwendeten Ersatzstoffe für die FCKW, die sogenannten FKW, selbst in hohem Maße klimaschädlich sind.