IPCC-Arbeitsgruppe 1: Bericht, Donnerstag, 03. Juli 2014 14:04

Die Nasa misst jetzt per Satellit

Neuere Forschung: Der Satellit OCO 2 soll herausfinden, wo und wann auf der Erde Treibhausgase freigesetzt oder aufgenommen werden. Daten der US-Raumfahrtbehörde weisen aus, dass der Mai 2014 der wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnung war.

Von Nick Reimer und Benjamin von Brackel

Beim dritten Anlauf hat es geklappt, wenn auch mit 24 Stunden Verspätung: Die US-Weltraumbehörde Nasa hat den Satelliten Carbon Observatory 2 (OCO 2) nach eigenen Angaben gegen Mittwochmittag mit einer Delta-Trägerrakete ins All geschickt, um die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre zu messen. Auf einer Umlaufbahn in 705 Kilometern Höhe soll er über zwei Jahre Daten sammeln.

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Der Start der Trägerrakete auf dem Air-Force-Stützpunkt Vandenberg. (Foto: Nasa/Bill Ingalls)

Der Start auf dem Luftwaffenstützpunkt Vandenberg in Kalifornien hatte am Vortag zunächst wegen Schwierigkeiten mit dem schützenden Wasserfluss in der Trägerrakete gestoppt werden müssen. OCO 2 reiht sich im All in den sogenannten A-Train ein: fünf hintereinander-"geschaltete" Beobachtungssatelliten, die um die Erde kreisen. Vor fünf und drei Jahren waren die Vorgängerversuche gescheitert, einen sechsten Satelliten ins All zu bringen.

Jetzt soll OCO 2 die Verteilung der Treibhausgas-Konzentration auf der Erde messen, und zwar über die verschiedenen Jahreszeiten und Weltregionen hinweg. Die 468-Millionen-Dollar-Mission soll herausfinden, welche Orte für die Produktion, aber auch für die Absorption von Treibhausgasen verantwortlich sind. "Das erlaubt uns zu verstehen, welche Prozesse kontrollieren, wie viel Kohlendioxid in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort absorbiert wird", sagte Anna Michalak, eine Wissenschaftlerin von der Carnegie Institution for Science, den New York Daily News. Die Nasa-Mitarbeiter zeigten sich begeistert vom erfolgreichen Start.

Erstmals mehr als 400 ppm

Satelliten werden schon länger zur Erforschung der Erderwärmung eingesetzt. Die Europäische Raumfahrtbehörde Esa hat das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus ins Leben gerufen, der Satellit Cryosat misst beispielsweise die arktische Meereisbedeckung, sein Pendant SMOS erhebt Daten zum Salzgehalt der Ozeane, ein wichtiger Indikator für die globale Ozean-Zirkulation.

Im Monat April hatte die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre der Nordhalbkugel ein bisher nicht gekanntes Rekordhoch von mehr als 400 ppm (parts per million) erreicht. Der diesjährige Mai war der bislang wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1880. Wie aus den Daten der Nasa hervorgeht, lag die globale Durchschnittstemperatur um 0,76 Grad über dem langjährigen Mittelwert der Jahre 1951 bis 1980. 

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Die weltweite Temperaturentwicklung – erhoben von der US-Raumfahrtbehörde. (Grafik: NASA)

Am zweitwärmsten waren der Mai des Jahres 2010 und der des Jahres 2012 mit jeweils 0,7 Grad über dem langjährigen Mittel. Das Besondere an den diesjährigen Globaltemperaturen ist aber, dass der wärmste Mai aller Zeiten auf die gleichfalls besonders warmen Monate März (0,71 Grad zu warm) und April (0,73 Grad) folgte. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung weist in seinem Blog darauf hin, dass es in den nächsten Wochen noch kleine Korrekturen durch verspätet eintrudelnde Messdaten aus manchen Ländern geben kann. In der Regel bewegten sich diese aber im Bereich von ein oder zwei Hundertstel Grad, sodass der neue Rekord wohl feststeht.