IPCC-Arbeitsgruppe 2: Bericht, Freitag, 17. Januar 2014 01:00

Skifahren künftig dann im April

Neuere Forschung: Der Deutsche Wetterdienst sieht den Trend zur langfristigen globalen Erwärmung ungebrochen. Das wird auch die Wintertouristik stark verändern, die bisherige Skisaison war nur dank massiver Beschneiung möglich. Die aber wird hochsubventioniert - und heizt die Erderwärmung weiter an.

Aus Berlin Nick Reimer

Halbzeitbilanz des Deutschen Wetterdienstes: Dieser Winter ist ungewöhnlich mild. Das bisherige Wintermittel der ersten sechs Wochen liegt deutschlandweit bei 3,9 Grad Celsius – das sind 0,2 Grad mehr als im vieljährigen Durchschnitt. "Bliebe es in Deutschland weiter so mild, wäre der Januar 2014 am Ende der drittwärmste Januarmonat seit 1881", heißt es in der Mitteilung des Deutschen Wetterdienstes.

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Halbzeitbilanz Winter 2013/2014: Globale Temperaturabweichungen gegenüber der internationalen Referenzperiode in Grad Celsius für die erste Winterhälfte. Rot bedeutet überdurchschnittlich wärmer, blau überdurchschnittlich kälter. (Foto: DWD)

Allerdings gehen die Meteorologen davon nicht aus: Die Temperaturen sollten sich in den letzten zehn Januartagen den jahreszeitlichen Normalwerten wieder annähern. Der bislang mildeste Winter war der Winter 2006/2007 mit einem Wert von 4,4 Grad Celsius. Danach folgen die Winter 1989/1990 sowie 1974/1975 mit jeweils 3,6 Grad.

Dass große Teile des nordamerikanischen Kontinents in den vergangenen Wochen von einer markanten Kältewelle betroffen waren, hänge trotz ihrer räumlichen Entfernung mit dem europäischen Warmwetter zusammen, erläutert der DWD-Klimaexperte Thomas Deutschländer. Beide Wetterlagen seien über den nordhemisphärischen Strahlstrom – ein breites Starkwindband in der Höhe – gekoppelt. Deutschländer: "Dieses Starkwindband bildet üblicherweise die Grenze zwischen polarer Kaltluft und subtropischer Warmluft."

Nicht nur in weiten Teilen Europas war es bislang zu warm, sondern auch im westlichen Sibirien, im östlichen Pazifik sowie fast im gesamten Polargebiet. Die höchsten Abweichungen traten dabei im Bereich des Arktischen Ozeans nördlich der Barentssee auf. Dort sei es bis zu 13 Grad wärmer als im vieljährigen Mittel des Referenzzeitraums. Insgesamt lag die Abweichung zur warmen Seite für die Nordhemisphäre bei rund 0,6 Grad Celsius, global war es etwa 0,4 Grad wärmer als im Referenzzeitraum. Die Einschätzung der Meteorologen: "Der Trend zur langfristigen globalen Erwärmung ist also nach wie vor ungebrochen."

Zu Ostern noch Lust zum Skifahren

Das wird auch den Wintersporttourismus in Deutschland stark verändern. Nach einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) werden langfristig die meisten Tage mit optimalen Bedingungen für Wintersport im März und April liegen – zurzeit sind es noch Dezember und Januar. Außerdem werden bis 2050 nur noch ein bis zwei Skigebiete in Deutschland übrig bleiben, wie eine im Fachmagazin Tourism Economics erschienene Studie belegt. Kriterien für einen "optimalen Skitag" sind: kein Niederschlag, eine gefühlte Temperatur zwischen minus fünf und plus fünf Grad, mindestens fünf Stunden Sonnenschein und eine Piste, die "kein weißes Band in grüner Landschaft" ist.

Die Wissenschaftler um Geografieprofessor Jürgen Schmude bezogen sechs verschiedene Klimamodelle in die Berechnungen ein und kamen zu dem Ergebnis, dass die optimalen Bedingungen immer seltener und später im Jahr auftreten werden. Diesem Effekt gaben sie den Namen "Christmas-Easter-Shift". "Diese Veränderungen bedeuten für touristische Einrichtungen einen Paradigmenwechsel", sagte Schmude. "Man kann nicht mehr weiße Weihnachten vermarkten, sondern man muss sich darum kümmern, dass die Gäste zu Ostern noch Lust haben zum Skifahren."

Die Alpenregion ist stark vom Klimawandel betroffen: Die jährliche Durchschnittstemperatur stieg dort in den vergangenen 100 Jahren doppelt so stark an wie im globalen Mittel. Eine Studie des Deutschen Alpenvereins zeigt: In 20 Jahren sind nur noch 50 bis 70 Prozent der Skigebiete im bayerischen Alpenraum schneesicher – selbst dann, wenn die künstliche Beschneiung massiv ausgebaut wird. Schneesicher heißt: An mindestens 100 Tagen im Jahr ist genügend Schnee für die Ausübung von Wintersport vorhanden. Langfristig würden nach der Studie nur Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf als sichere Wintersportorte in Deutschland erhalten bleiben.

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Künstlicher Schnee inmitten grüner Landschaft – das sind keine optimalen Skibedingungen. (Foto: Oswald Baumeister/Sammlung Gesellschaft für Ökologische Forschung)

Kunstschnee beschleunigt den Klimawandel noch: Die Schneekanonen sind Energiefresser und damit – wenn sie mit Energie aus fossilen Kraftstoffen befeuert werden – auch für jede Menge Treibhausgase verantwortlich. Studien-Mitautor Robert Steiger erklärte, dass eine Beschneiung wohl für die meisten Skigebiete schon mittelfristig zu teuer werden könnte. Der Alpenverein und andere Naturschutzverbände fordern ein Ende der Subventionierung von Beschneiungsanlagen und die Entwicklung alternativer Tourismuskonzepte. Allein 2009 waren mehr als 11,7 Millionen Euro aus dem bayrischen Staatshaushalt zur Subvention der Energiekosten für künstliche Beschneiungsanlagen geflossen - und die Zahl der Schneekanonen hat seitdem drastisch zugenommen.