IPCC-Arbeitsgruppe 2: Bericht, Montag, 24. März 2014 19:20

Die Auftaktmusik für den IPCC

Die Weltmeteorologie-Organisation WMO stellt in Genf ihren Jahresbericht vor: 2013 war das sechstwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Und die Meteorologen liefern die Daten für das, worüber in Yokohama ab Dienstag beratschlagt wird: das zweite Kapitel des 5. IPCC-Sachstandsberichts über "Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit".

Aus Berlin Nick Reimer

2013 war das sechstwärmste Jahr, das seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1850 registriert wurde. Wie die Weltorganisation für Meteorologie WMO am Montag in Genf mitteilte, teilt sich 2013 den sechsten Rang in der Liste der heißesten Jahre mit dem Jahr 2007. "Wir haben viele Wetterextreme beobachtet, der globale Klimawandel setzt sich fort", sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud bei der Vorstellung des Klimaberichts für das vergangene Jahr. Die Globaltemperatur habe 2013 durchschnittlich 14,5 Grad Celsius betragen – ein halbes Grad mehr als der Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990 und 0,03 Grad mehr, als die Meteorologen zwischen 2001 und 2010 registrierten.

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Gehört auch zur WMO-Bilanz 2013: Trümmer säumen die Straßen der Stadt Tacloban auf der Insel Leyte nach dem Taifun Haiyan. (Foto: Eoghan Rice/Caritas/Wikimedia Commons)

Jedes der vergangenen drei Jahrzehnte sei wärmer als das vorher gewesen, bilanziert die Organisation in ihrem "WMO Statement on the Status of the Global Climate in 2013". 13 der 14 wärmsten Jahre weltweit wurden im 21. Jahrhundert registriert. Dabei wurden 2013 besonders auf der südlichen Erdhalbkugel extrem hohe Temperaturen gemessen. Beispielsweise sei in Vioolsdrif in Südafrika am 4. März das Thermometer auf 47,4 Grad geklettert – der höchste bisher gemessene März-Wert für ganz Afrika. Für Australien sei 2013 das wärmste, für Argentinien das zweitwärmste und für Neuseeland das drittwärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn gewesen. Und: Ohne menschlichen Einfluss seien Hitzewellen wie in Australien nahezu unmöglich gewesen, heißt es in dem Bericht.

Deutschland habe vor Jahresfrist den viertwärmsten je gemessenen Winter erlebt – mit Temperaturen, die gut drei Grad über dem langjährigen Mittel lagen. Rekorde brachten auch die Fluten an Donau und Elbe – nach WMO-Erhebung die schlimmsten seit mindestens 1950. In Passau sei der höchste Pegel seit 1501 registriert worden.

Aber diese Wetterextreme sind nur einige der weniger schlimmen. Die WMO listet in ihrem Bericht etwa den breitesten bisher beobachteten Tornado im US-Bundesstaat Oklahoma, Schneefälle in Israel, Jordan und Syrien, die schlimmsten Dürren in Südchina oder dem Nordosten Brasiliens oder den Taifun Haiyan auf, der im November mehr als 6.000 Menschen auf den Philippinen in den Tod riss. WMO-Generalsekretär Michel Jarraud: "Die Auswirkungen waren so katastrophal, weil der Meeresspiegel wegen der Erderwärmung gestiegen ist."

Ein Deutscher ist Leitautor des neuen Weltklimaberichts

"Folgen, Anpassung, Verwundbarkeit" – das ist die Überschrift des zweiten Teil des 5. Sachstandsberichts des Weltklimarates IPCC, über den ab Dienstag im japanischen Yokohama beraten wird. Das, was die Weltmeteorologen an Daten zusammengetragen haben, wird in diesem Kapitel wissenschaftlich aufgearbeitet. Einer der beiden Koordinatoren ist Leitautor Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle, der andere Robert John Scholes von der südafrikanischen Forschungsorganisation CSIR in Pretoria. Mit den Folgen der Erderwärmung – korrekter: mit der Forschung zu den Folgen – haben sich unter diesen beiden sechs Leitautoren, 27 beitragende Autoren, drei Gutachter, zwei freiwillige Kapitelwissenschaftler und mehrere hundert Kommentierende befasst.

Zwar wird das zweite Kapitel des neuen Weltklimaberichts erst am 31. März der Öffentlichkeit vorgestellt – bis dahin wird die sogenannte Zusammenfassung für Entscheidungsträger mit den Regierungsvertretern beraten und abgestimmt. Trotzdem sind schon einige Inhalte des 153 Manuskriptseiten starken Berichtes durchgesickert. Eine brisante Botschaft – die sich mit den Meßdaten der WMO deckt – lautet: Der Klimawandel ist längst Realität und wirkt auf die Ökosysteme. Beispielsweise konstatieren die Forscher ein zunehmendes Baumsterben, mancherorts fortschreitende Wasserknappheit oder die Ausrottung vieler Amphibien in Mittelamerika. Überhaupt seien viele Arten überfordert, sich an die sich ändernde Wetterbedingungen anzupassen, zitiert die in Berlin erscheinende Tageszeitung taz die Autoren.

Auch die für alles hauptverantwortliche Spezies leidet bereits. Zum einen habe die Erderwärmung "zu einer schlechteren Gesundheit der Spezies Mensch geführt", was sich etwa in Europa durch Hitzestress bemerkbar mache. Zum anderen drohen "Tod, Verletzung und Verlust der Heimat" in Küstenregionen und Inselstaaten durch Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten. Außerdem listet der Bericht eine unsichere Ernährung für "ärmere Bevölkerungsgruppen" auf. Erwartet wird, dass der Klimawandel die mittleren Ernteerträge um bis zu zwei Prozent pro Dekade verringert.

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In vielen Regionen spürbar wärmer: Im Anhang zum WMO-Bericht zeigt dieses Schaubild die Abweichung des Jahres 2013 gegenüber dem Zeitraum zwischen 1961 und 1990 in Grad Celsius. (Grafik: WMO)

Als wollte die WMO quod erat demonstrandum sagen: Einen Tag vor Beginn der Schlussberatung in Yokohama lieferte die UN-Unterorganisation das Datenmaterial für 2013. Und neben all den Wetterextremen, den Rekorden von Regen, Kälte oder Hitze stellen die Meteorologen vor allem eine Aussage in den Vordergrund: "Die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre erreichte 2013 ein neues Rekord-Hoch". Zur Erinnerung: Die EU hatte sich in der vergangenen Woche nicht auf ein neues Klimaziel verständigen können.