IPCC-Arbeitsgruppe 2: Bericht, Dienstag, 25. März 2014 18:04

Der Weltklimarat zeigt die Verwundbarkeit

Die IPCC-Arbeitsgruppe zwei beginnt in Japan mit den Schlussberatungen: Es geht um die regionalen Auswirkungen der Erderwärmung, die im 5. Sachstandsbericht sehr detailliert aufgeschlüsselt werden.

Aus Phnom Penh Christian Mihatsch, aus Berlin Sandra Kirchner

Auftakt der Schlussverhandlungen zur Arbeitsgruppe zwei: Im japanischen Yokohama sind heute die Staatenvertreter des des Weltklimarates IPCC zusammengekommen. Bis zum Sonntag beraten sie über den IPCC-Bericht "Folgen, Anpassung, Verwundbarkeit". Die Arbeitsgruppe habe Tausende Seiten Forschung ausgewertet, um einen belastbaren Bericht zu produzieren, erklärte der Argentinier Vicente Barros, einer der beiden Vorsitzenden der Arbeitsgruppe zwei. IPCC-Chef Rajendra Pachauri hofft seinerseits, die Arbeit werde helfen, "die Auswirkungen der Erderwärmung besser zu verstehen".

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Nach dem Sturm Xaver: Zunehmende Extremwetterereignisse setzen auch den Menschen in der gemäßigten Klimazone zu. (Foto: Evelyn Simak/Wikimedia Commons)

Im Kern geht es geht um die sozioökonomischen und ökologischen Veränderungen, die mit der Erderwärmung auf die Menschen zukommen. Schon heute sind jede Menge Auswirkungen spürbar, der Rückgang der Eis- und Schneebedeckung etwa, das steigende Risiko von Überschwemmungen und Dürren, der Anstieg des Meeresspiegels. Gegenüber dem Vierten Sachstandsbericht von 2007 haben auch die Kenntnisse über die Auswirkungen auf die Biodiversität zugenommen – viele Tier- und Pflanzenarten sind nicht in der Lage, sich den rasant ändernden Klimabedingungen anzupassen.

Explizit neu im zweiten Kapitel des 5. IPCC-Sachstandsberichts ist – wie schon im ersten Teil des 5. Berichts – das Herunterbrechen auf regionale Daten. "Die detaillierte Abschätzung der regionalen Aspekte ist von besonderer Bedeutung", sagte der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri in seiner Eröffnungsrede in Yokohama. Das ergebe ein viel klareres Verständnis von den Auswirkungen der Vergangenheit und den Folgen für die Zukunft.

In seinem Bericht weist der IPCC darauf hin, dass die Nahrungsmittelproduktion infolge der globalen Erwärmung bereits heute vielerorts beeinträchtigt ist. Pro Jahrzehnt würden aufgrund des Klimawandels die Erträge bei Grundnahrungsmitteln um zwei Prozent sinken. Der Bedarf werde im gleichen Zeitraum aber um 14 Prozent steigen. Auch die Hilfsorganisation Oxfam warnte anlässlich der Expertentagung in Japan vor drohenden Hungerkrisen durch den Klimawandel. Die Organisation schätzt, dass sich die Getreidepreise bis 2030 verdoppeln werden. Die Hälfte des Preisanstiegs sei auf den Klimawandel zurückzuführen.

Optimismus auf dem Verhandlungsparkett

Veröffentlicht wurde in Yokohama bislang ein "Table of Contents", eine Inhaltsangabe über die erforschten Aspekte des zweiten Kapitels. In den kommenden fünf Tagen stimmen sich Wissenschaftler und Regierungsvertreter über den genauen Wortlaut der sogenannten Zusammenfassung für Entscheidungsträger ab, die zurzeit 29 Seiten lang ist und so etwas wie die politische Botschaft des mehrere hundert Seiten umfassenden Endberichtes darstellt. Dabei feilschen die Staatenvertreter mitunter um einzelne Worte, etwa um die eigene Betroffenheit stärker herauszustellen oder eine andere Weltregion mehr in die Pflicht zu nehmen. Am 31. März soll der dann beschlossene Bericht der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Klar ist, dass die Auswirkungen abhängig von der Frage sind, wie stark und wie schnell die Staaten mit einem ernsthaften Klimaschutz beginnen. Zuletzt waren wieder viele Beobachter optimistisch, dass 2015 beim entscheidenden Klimagipfel in Paris klappt, was 2009 in Kopenhagen unmöglich war: einen Klimavertrag auszuhandeln, der dem Zwei-Grad-Ziel gerecht wird. Michael Jacobs von der London School of Economics nennt drei Gründe für diesen Optimismus: Erstens werden die Existenz und die Ursachen des Klimawandels kaum noch angezweifelt. Zweitens zeigen neue Berechnungen von Klimaökonomen, dass Klimaschutz nicht einfach nur kostet, sondern einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten kann. Und drittens haben viele Länder inzwischen die rechtlichen Grundlagen geschaffen, um ihre Emissionen zu steuern.

So begannen mittlerweile rund 30 Länder damit, einen Emissionshandel aufzubauen, wie er in der EU oder in Kalifornien schon länger existiert. Von besonderer Bedeutung ist hier China. "Dank" der extremen Luftverschmutzung in Chinas Großstädten ist Pekings Machthabern klar, dass die Emissionen schon bald sinken müssen. Denn bei kommenden Demonstrationen gegen die Umweltzerstörung könnte irgendwann auch das Machtmonopol der Kommunistischen Partei infrage gestellt werden.

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Einige Binnenseen haben mit sinkendem Wasserspiegel zu kämpfen, weil die Zuflüsse weniger Wasser führen – während anderswo das Hochwasserrisiko zunimmt. (Foto: Nick Reimer)

Wo die größten Potenziale zur Reduktion von Treibhausgasemissionen liegen, hat derweil die Internationale Energieagentur IEA ausgerechnet: Klar führend sind Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden, Fahrzeugen und elektrischen Geräten. Damit könnten mehr als 40 Prozent der erforderlichen Emissionsminderung erreicht werden. Auf Platz zwei folgen die erneuerbaren Energien mit einem Potenzial von 21 Prozent.