IPCC-Arbeitsgruppe 2: Bericht, Sonntag, 30. März 2014 18:48

Beschlossen: Die Summary für Entscheider

Der Bericht der Arbeitsgruppe 2 zu den Folgen des Klimawandels ist beschlossen. Fünf Tage lang verhandelten Wissenschaftler und Regierungsvertreter aus aller Welt im japanischen Yokohama um die Kurzfassung des Reports, die Summary for Policymakers. Am Montag früh wird sie auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben.

Aus Berlin Verena Kern

Die „Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger“ der Arbeitsgruppe 2 des IPCC zum Fünften Sachstandsbericht ist beschlossen. Fünf Tage lang saßen im japanischen Yokohama Wissenschaftler mit Vertretern der Politik zusammen und diskutierten das Dokument, das sich mit den Auswirkungen der Erderwärmung befasst. Zeile für Zeile wurde hinter verschlossenen Türen über die Summary for Policymakers abgestimmt, die auf 150 Seiten bündelt, was die Fachleute seit dem vorangegangenen Vierten Sachstandsbericht von 2007 an Erkenntnissen zusammengetragen haben über die Folgen des Klimawandels auf Natur und Gesellschaft; über Risiken und Verwundbarkeiten; und über Möglichkeiten der Anpassung. Bekanntgegeben wird die Summary am Montag auf einer Pressekonferenz. Auch die rund 1.000-seitige Langfassung wird dann veröffentlicht, sowie – den Transparenzregeln des IPCC folgend – die rund 54.700 Kommentare, die von externen Gutachtern bei der Arbeitsgruppe 2 eingegangen sind.

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Mehr Hitzewellen in Europa prognostiziert der Bericht: Wüstenbildung auf den Kanarischen Inseln. (Foto: Delbene / Wikimedia Commons)

Schon vorab sickerten einige Inhalte des Berichts durch. Eine brisante Botschaft lautet: Der Klimawandel ist längst Realität, und er schädigt die Ökosysteme. Die Forscher stellen beispielsweise ein zunehmendes Baumsterben fest, mancherorts fortschreitende Wasserknappheit oder die Ausrottung vieler Amphibien in Mittelamerika. Überhaupt seien viele Arten überfordert, sich an die sich ändernden Wetterbedingungen anzupassen, heißt es – der Wandel geht einfach zu schnell.

Aber auch die für alles hauptverantwortliche Spezies leidet bereits. Zum einen habe die Erderwärmung "zu einer schlechteren Gesundheit der Spezies Mensch geführt", konstatiert die Arbeitsgruppe 2. In Europa etwa mache sich das durch Hitzestress bemerkbar. Zum anderen drohen "Tod, Verletzung und Verlust der Heimat" in Küstenregionen und Inselstaaten durch Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten. Zudem verweist der Bericht auf eine unsichere Ernährung für "ärmere Bevölkerungsgruppen". Erwartet wird, dass der Klimawandel die mittleren Ernteerträge um bis zu zwei Prozent pro Dekade verringert. Die Befunde decken sich mit den Daten, die von der Weltmeteorologie-Organisation WMO jüngst veröffentlicht wurden. Demnach war jedes der vergangenen drei Jahrzehnte wärmer als die vorherigen. Hitzewellen wie die in Australien wären laut WMO ohne menschlichen Einfluss „nahezu unmöglich“.

Laut dem Physiker und Meteorologen Hartmut Graßl, der lange Jahre selber Teil der IPCC-Forschung war, ist aufgrund der seit 2007 erschienenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema zu erwarten, dass die Arbeitsgruppe 2 "eine im Mittel etwas erhöhte Empfindlichkeit der Ökosysteme gegenüber der aufgetretenen Erwärmung und Niederschlagsänderungen" konstatieren wird. Der Bericht werde, so Graßl in einem Beitrag für klimaretter.info, "etwas mehr Durchblick und einige neue Fragen" bringen, aber "keine ganz wesentlichen Änderungen". "Wer auf frühere Berichte reagiert hat, lag richtig."

Die entscheidende Frage, sagt Graßl, wird sich erst nach der Veröffentlichung stellen. Nämlich "was von den Aussagen der Wissenschaftler bei den Vertragsstaatenkonferenzen über Klimapolitik ernst genommen wird".