IPCC-Arbeitsgruppe 2: Bericht, Montag, 31. März 2014 05:44

"Damit die Welt ein besserer Ort wird"

Der Weltklimarat IPCC hat heute im japanischen Yokohama den zweiten Teil seines Fünften Sachstandberichts veröffentlicht. Die zentrale Botschaft lautet: Der Klimawandel findet auf allen Erdteilen und in allen Weltmeeren statt, aber die Welt ist noch immer schlecht darauf vorbereitet. Dennoch geben sich die Wissenschaftler optimistisch.

Aus Berlin Verena Kern

Heute morgen um 2 Uhr früh – nach japanischer Zeit 9 Uhr – traten die Spitzen des Weltklimarats IPCC vor die Presse. Fünf Tage lang hatten sie und die Autoren des jüngsten Sachstandberichts zu Klimafolgen und Anpassung mit Regierungsvertretern aus aller Welt in Yokohama über die Politische Zusammenfassung, die Summary for Policymakers, beraten. Satz für Satz und Zeile für Zeile wurde der Text von den Regierungen abgesegnet. Aufgabe der Wissenschaftler war es, für die Summary "eine klare, konsistente Sprache zu finden, die Politiker verstehen", erläuterte Christopher Field, Ko-Vorsitzender der Arbeitsgruppe 2, auf der Pressekonferenz. "Es geht darum, das Risiko von Missverständnissen zu reduzieren."

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Immer höhere Treibhausgasemissionen führen zu höheren Klimarisiken: Aus der Präsentation der "Summary for Policymakers". (Foto: Screenshot)

Dabei sind die Ergebnisse der Arbeitsgruppe 2 zu "Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit" schwerlich misszuverstehen. Der Klimawandel, so die Kernbotschaft, findet längst statt, und zwar auf allen Kontinenten und in allen Weltmeeren. Seine Wirkung auf Ökosysteme, Pflanzen, Tiere und den Menschen können die Wissenschaftler nun sehr viel genauer bestimmen als noch beim vorherigen Sachstandsbericht 2007. "Wir haben jetzt viel mehr Wissen", sagte der Vorsitzende des IPCC, Rajendra Pachauri, heute morgen in Yokohama. "Wir haben mehr Details." Wo beim Vierten Sachstandsbericht viele Aussagen noch mit Unsicherheiten behaftet waren, herrsche jetzt Klarheit – etwa beim Thema Ernährungssicherheit oder bei der Versauerung der Meere. "Dass viele Extremwetterereignisse ohne menschlichen Einfluss nicht möglich wären, kann man jetzt klar sagen", betonte Michel Jarraud von der Weltorganisation für Meteorologie WMO.

Viele Arten kommen mit dem Klimawandel nicht mit 

Die mittleren Ernteerträge bei Getreide werden, so zeigt der Bericht auf, um rund zwei Prozent pro Dekade sinken; im ungünstigsten Fall – also bei ausbleibenden Emissionsreduktionen – muss bei Weizen und Reis sogar mit noch größeren Rückgängen gerechnet werden. Auch ein zunehmendes Baumsterben beobachten die Wissenschaftler, sowie fortschreitende Wasserknappheit in ohnehin schon trockenen Regionen und die Ausrottung vieler Amphibien in Mittelamerika. Überhaupt sind laut Report viele Arten überfordert, sich an die sich ändernden Klimabedingungen anzupassen – der Wandel geht einfach zu schnell. Bei der Suche nach kühleren Lebensräumen müssen die Tiere teils Hunderte von Kilometern zurücklegen, zeigt der Bericht.

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"Man kann etwas tun." Christopher Field, Ko-Vorsitzender der Arbeitsgruppe 2. (Foto: Screenshot)

Auch die Wirkung des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit sei "gravierend", so Pachauri. Die Erderwärmung führe "zu einer schlechteren Gesundheit der Spezies Mensch". In ärmeren Ländern, Küstenregionen und Inselstaaten drohten durch den Anstieg des Meeresspiegels und Sturmfluten "Tod, Verletzung und Verlust der Heimat". Das Thema Klimaflüchtlinge und ihre Anerkennung wird künftig noch mehr auf der Agenda stehen. In Europa macht sich der Klimawandel aber auch bemerkbar – durch Hitzestress. Erstmals enthält der Sachstandbericht auch viele regionale Informationen. Die Arbeitsgruppe 2 hat einen zusätzlichen Teilband über die einzelnen Weltregionen vorgelegt; darin findet sich auch ein Kapitel zu Europa.

"Anpassung wird nicht mehr als tote Investition gesehen"

Bislang ist die Welt aber noch schlecht vorbereitet auf die Risiken, die der Klimawandel schafft oder verstärkt – als "zusätzlicher Stressor", wie Maggie Opondo von der University of Nairobi sagte. Es sei noch viel zu tun, "damit die Welt ein besserer Ort wird", unterstrichen alle sieben IPCC-Vertreter auf dem Podium.

Pessimismus wollten sie aber auch nicht verbreiten. Im Gegenteil. Es gebe gute Gründe für Optimismus, sagte Christopher Field. Es seien inzwischen schon viele Schritte unternommen worden in Sachen Emissionsreduktion, Anpassung und Nachhaltigkeit – sei es durch das Pflanzen von Mangroven, sei es durch Flutschutz. Mittlerweile gebe es einen "großen Pool an Optionen und an Erfahrungen", so Field. Es sei klar geworden: "Man kann etwas tun." Und zwar nicht nur als direkte Reaktion auf Katastrophen, sondern zum Aufbau von mehr Resilienz, also Widerstandsfähigkeit. "Investitionen in Anpassungsmaßnahmen werden nicht mehr nur als tote Investition angesehen", sagte Field, "sondern als etwas, das Nutzen bringt".

Nun sind die Regierungsvertreter am Zug.

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In Europa droht Hitzestress, in ärmeren Ländern "Tod, Verletzung und Verlust der Heimat": Pressekonferenz heute Morgen in Yokohama. (Foto: Screenshot)