IPCC-Arbeitsgruppe 2: Bericht, Mittwoch, 02. April 2014 17:41

Weltklimarat zum Zweiten: Das steht drin

Für den Fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates befasste sich die Arbeitsgruppe zwei mit "Folgen, Anpassung, Verwundbarkeit". Nun liegt die Zusammenfassung für Entscheidungsträger vor: Was steht eigentlich drin? – Teil 1.

Eine Analyse der Redaktion

Zunächst: Der Klimawandel ist bereits Realität. In vielen Weltgegenden verändert sich bereits der Wasser­haushalt, weil sich Niederschlagsmuster ändern und Gletscher schmelzen. Das hat Auswirkungen auf Flora und Fauna: Tier- und Pflanzenarten müssen ihren Lebens­rhythmus an Land und in den Ozeanen anpassen. In den sich erwärmenden Ozeanen zum Beispiel wandern Fische und Wirbellose auf der Suche nach kühleren Temperaturen polwärts oder in tiefere Schichten.

Bild
Noch überwiegen andere Faktoren die Bedrohung der Artenvielfalt durch den Klimawandel: Hier beispielsweise die Waldrodung auf Borneo im Lebensraum der Orang-Utans. (Foto: Nick Reimer)

Beim Artensterben haben die Wissenschaftler noch kein klares Bild: Das Verschwinden einiger Arten kann bereits mit großer Sicherheit auf die Erderwärmung zurückgeführt werden; insgesamt jedoch ist der Klimawandel bislang nicht der Hauptgrund für das weltweite Artensterben. Andere, direktere menschliche Einwirkungen wie Waldrodungen, Umwelt­verschmutzung oder Ozeanversauerung sind derzeit das größere Problem.

Die Kombination aller Entwicklungen lässt aber schwere Folgen für die Artenvielfalt erwarten. Der IPCC verweist hier auf Erfahrungen aus der Erdgeschichte: Schon "die natürlichen Klimaänderungen während der zurückliegenden Millionen Jahre, die langsamer verliefen als die gegenwärtig vom Menschen verursachte, haben erhebliche Artensterben verursacht". Zwar werden sich einige Tier- und Pflanzenarten an das veränderte Klima anpassen, anderen wird das nicht gelingen, weil sich mit der Klimaerwärmung die für sie geeigneten Lebensräume schneller verschieben, als sie selbst wandern können. Das gilt vor allem für Bäume, weshalb der IPCC im Laufe des 21. Jahrhunderts in vielen Regionen die Gefahr von Waldsterben sieht.

Brennpunkt: Versorgung mit Nahrungsmitteln

Jedenfalls werden die vielen Funktionen, die die Natur für den Menschen erfüllt – etwa das Bereit­stellen von Nahrung, Wasser und sauberer Luft – durch den Klimawandel zunehmend beeinträchtigt. Die Wissenschaftler konstatieren, dass Perma­frost­böden tauen und Gletscher schmelzen. Besonders groß sind die erwarteten Auswirkungen auf die Wasserversorgung, so das Team um die beiden chairs, den Argentinier Vicente Barros und den US-Amerikaner Cristopher Field

Die meisten der ohnehin trockenen Regionen der Subtropen werden im Laufe des 21. Jahrhunderts noch trockener. In höheren Breiten hingegen wird es insgesamt mehr Wasser geben, was sehr viel weniger bedrohlich klingt, aber eine zunehmende Flutgefahr bedeutet. Generell wird der Klimawandel es schwieriger und teurer machen, der wachsenden Menschheit ausreichend Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Wörtlich heißt es: "Der Anteil der Weltbevölkerung, der von Wasserknappheit und Überschwemmungen an Flüssen betroffen ist, wird mit dem Niveau der Erwärmung im Laufe des 21. Jahrhunderts zunehmen."

Schon heute ist klar, dass die Bedrohungen sehr ungleich verteilt sind. Die Bewohner ärmerer Staaten sind deutlich stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen. Zudem wird die Erderwärmung soziale und ökonomische Ungleichheiten vergrößern – auch in den reichen Staaten. Zwar seien die Folgen auf die Ernährung schwer abzuschätzen, schreiben die Autoren. Eine Anpassung landwirtschaftlicher Methoden an das veränderte Klima kann Ernteverluste zwar mindern, aber nicht ausgleichen. Ärmere Regionen werden vom Rückgang der Nahrungsmittelproduktion härter getroffen als wohlhabende.

Die Autoren finden allerdings auch positive Auswirkungen: In höheren Breiten wird eine moderate Erwärmung, kombiniert mit einer leichten Erhöhung des Kohlendioxid-Gehalts, vorteilhaft für einige Nutzpflanzen sein. Solche positiven Folgen werden jedoch durch Wassermangel und häufigere Wetter­extreme begrenzt, heißt es in der Zusammenfassung für Entscheidungsträger. Insgesamt werden die negativen Auswirkungen überwiegen – bei einer gleichzeitig stark ansteigenden Nachfrage nach Lebensmitteln wegen des weltweiten Bevölkerungszuwachses. Das Risiko von Unterernährung wird durch zurückgehende Nahrungsmittelproduktion in ärmeren Regionen steigen.

Acht globale Schlüsselrisiken

Zudem verschärft die Erderwärmung bereits bestehende Gefahren für die menschliche Gesundheit und wird im Laufe des 21. Jahrhunderts zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes in vielen Weltgegenden beitragen. Die Verbreitungs­gebiete krankheitsübertragender Insekten haben sich bereits verändert. Zwar wird es auch positive Aspekte geben, etwa einen Rückgang der Zahl von Kältetoten. Weltweit wird im 21. Jahrhundert, so der IPCC, das Ausmaß der negativen Folgen die positiven Auswirkungen der Erwärmung "zunehmend überwiegen".

Bild
In den Tropen – hier ein Kaiserfisch in der Karibik – werden weniger Fische eine Folge der Erwärmung sein. (Foto: Konstanze Staud)

Auch die Zahl von Flüchtlingen wird infolge des Klimawandels zunehmen: Die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe zwei identifizierten acht globale Schlüsselrisiken, darunter Tod und Zerstörung von Lebensgrundlagen durch Fluten und schwerere Sturmfolgen in tiefliegenden Küstengebieten und auf Inseln infolge des Meeresspiegelanstiegs. Weitere dieser Risiken sind abnehmende Fischereierträge vor allem in den Tropen und der Arktis sowie Ernährungsunsicherheit besonders für ärmere Bevölkerungsschichten durch Hitze, Dürre und veränderte Niederschlagsmuster.

Die Erderwärmung wird im Laufe des 21. Jahrhunderts weltweit das Wirtschaftswachstum bremsen und den Kampf gegen Armut behindern. Zahlreiche globale Probleme – Hunger, Armut, Fluten, Trinkwassermangel, Hitzewellen, Kriege und Krankheiten – werden sich im Zuge des fortschreitenden Klimawandels verschärfen.

Lesen Sie hier Teil 2:
Welche Optionen die Wissenschaftler gegen die Gefahren aufzeigen