IPCC-Arbeitsgruppe 2: Bericht, Donnerstag, 03. April 2014 16:52

Arbeitsgruppe zwei: Anpassung nicht verschieben

Acht globale Schlüsselrisiken haben die Wissenschaftler der IPCC-Arbeitsgruppe zwei im Fünften Sachstandsbericht identifiziert – darunter Tod und Zerstörung von Lebensgrundlagen durch Fluten und Stürme. Sie zeigen aber auch, wie diesen Gefahren begegnet werden kann. Analyse der "Zusammenfassung für Entscheidungsträger" – Teil 2.

Eine Analyse der Redaktion

Seit Vorlage des Vierten Sachstandsberichts (AR4) durch den Weltklimarat im Jahr 2007 hat die Klimaforschung deutliche Fortschritte gemacht. Die Literaturmenge, die von der Arbeitsgruppe zwei ausgewertet wurde, hat sich gegenüber dem AR4 etwa verzehnfacht. Auch aus diesem Grund ist im neuen Report der Teilband 2 über "Folgen, Anpassung, Verwundbarkeit" mit rund 2.000 Seiten etwa doppelt so dick geworden wie der vorherige. Insgesamt ist die Datenlage zum Klimawandel heute viel besser als vor sieben Jahren, und die Modelle zur Simulation von Klimawandelfolgen sind bedeutend verlässlicher und detaillierter geworden.

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Ozeanversauerung: Wie sich im Zuge der Erderwärmung der pH-Wert in den Ozeanen verändert und welche Kalkbildner betroffen sein werden (Grafik aus der Zusammenfassung für Entscheidungsträger).

Die Zusammenfassung für Entscheidungsträger der Arbeitsgruppe zwei beschreibt zunächst die Auswirkungen des Klimawandels auf Flora und Fauna sowie die Folgen für die Ökosysteme und identifiziert acht globale Schlüsselrisiken für die Menschheit (siehe Teil 1). Die Wissenschaftler zeigen aber auch Optionen auf, wie diesen Gefahren begegnet werden kann. "Entscheidungen zu Anpassungsmaßnahmen und Minderungen [der Treibhausgasemissionen], die in naher Zukunft getroffen werden, beeinflussen die Risiken durch den Klimawandel im 21. Jahrhundert", schreiben die Autoren.

Am naheliegendsten sind hier natürlich ernsthafte Anstrengungen zum Klimaschutz: Wird in den kommenden Jahrzehnten der Treibhausgasausstoß gesenkt, schwächen sich die Auswirkungen der Erderwärmung substanziell ab – passiert hingegen nichts, ist mit einem Temperaturanstieg von vier Grad Celsius oder mehr zu rechnen.

Doch selbst wenn die Menschheit vernünftig würde und jetzt drastisch mit dem Klimaschutz begänne: Der Klimawandel ist bereits da, betonen die Autoren. Man kann seine Folgen schon heute weiträumig erkennen, auf allen Kontinenten sowie in den Ozeanen. Und sie entsprechen dem, was die Forschung laut den vorherigen Sachstandsberichten erwartet hatte.

Unsicherheit kein Grund zum Zögern

Notwendig ist deshalb Anpassung: Einige Folgen der Erderwärmung können durch spezielle Maßnahmen bewältigt oder zumindest deutlich gemildert werden. Die Forscher sprechen von "Risiko-Reduktion", machen aber klar: Je stärker sich die Erde erwärmt, desto weniger können Anpassungsmaßnahmen bewirken. Entwicklungsländer, die am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden, haben nur wenige Kapazitäten zur Anpassung.

Deshalb haben sich die Wissenschaftler auch Gedanken zur Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen gemacht und vor zu geringen Kapazitäten gewarnt – also vor zu wenig Geld. Neben bestehenden Instrumenten seien neue Finanzierungsmodelle zu entwickeln, beispielsweise regen sie "Zahlungen für Umweltdienstleistungen" an, wie es sie etwa beim Emissionshandel gibt. Wer die Atmosphäre als Müllkippe für seine Treibhausgase nutzen will, muss dafür zahlen. Die Wissenschaftler regen des Weiteren an, Versicherungskapital aus der Privatwirtschaft zu aktivieren.

Gut geplante Klimaschutzmaßnahmen können außer der Emissionsminderung positive Nebeneffekte haben. Als Beispiele nennen die Wissenschaftler Investitionen in Energieeinsparung und saubere Energieträger, die auch die Emissionen gesundheitsschädlicher Luftschadstoffe verringern, oder eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, die auch die Artenvielfalt erhöht.

Wegen der Unsicherheiten über die letztlich nötigen Maßnahmen sollten diese flexibel gestaltet und im Zeitverlauf anpassungsfähig sein. Klar ist jedoch: Unsicherheit über Ausmaß, Ort und Zeitpunkt der Folgen des Klimawandels sind kein Grund mehr, Anpassungsmaßnahmen zu verzögern.

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Wie sich welche Risiken durch die Erderwärmung entwickeln werden (Grafik aus der Zusammenfassung für Entscheidungsträger).

Die Wissenschaftler zeigen auch auf, welche Schwierigkeiten bei der Anpassung an die Erderwärmung zu überwinden sind. Das beginnt bei begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen und zu wenig Forschung und reicht über Unsicherheiten über die zu erwartenden Auswirkungen der Erderwärmung und eine unterschiedliche Wahrnehmung der Risiken bis hin zur "Unterschätzung der Komplexität der Anpassung als sozialer Prozes", wie die Autoren schreiben. Zudem müsse die Anpassung nicht nur angeschoben werden – notwendig sei auch, die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen und ihrer Nebenwirkungen zu überwachen.

Lesen Sie hier Teil 1 unserer Analyse:
Weltklimarat zum Zweiten: Das steht drin