IPCC-Arbeitsgruppe 2: Bericht, Montag, 03. März 2014 17:27

"Es regnet, bis die Ernte auf dem Feld verfault"


12245pre_ee23e5891fc8ee0.jpg?v=2014-04-13 13:00:29Projekte zur Anpassung: Veränderte Niederschlagsmuster machen dem Hochland Indonesiens zu schaffen. Erdrutsche und Ernteausfälle sind die Folge. Tandu Ramba, Jahrgang 1966, arbeitet für die kirchliche Organisation Gereja Toraja, die mit ihren Leuchtturmprojekten auf Katastrophenvorsorge und Bildung setzt. Schwerpunkt ist bislang der Süden von Sulawesi, neben Borneo, Java und Sumatra einer der Hauptinseln Indonesiens.

klimaretter.info: Herr Ramba, Sie leiten im Süden von Sulawesi Projekte zur Anpassung an der Klimawandel. Mit welchen Problemen ist die Region konfrontiert?

Tandu Ramba: Die Niederschlagsmuster haben sich stark verändert. Teilweise regnet es zu wenig, um Reis anzubauen, teilweise fällt zu viel Regen. Vor allem der Starkregen ist ein Problem. Die Niederschlagsmengen sind inzwischen oft so groß, dass die Ernte noch auf den Feldern verfault.

Erklären Sie uns das genauer.

Sie müssen es sich so vorstellen: Die beiden Distrikte, in denen wir arbeiten, liegen im Hochland, 800 bis 1.500 Meter über dem Meeresspiegel. Landeswirtschaft ist hier nur im Terrassenbau möglich. Bei starkem Regen steht das Wasser auf den Feldern.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Die Distrikte Tana Toraja und Toraja Utara haben rund 470.000 Einwohner. Siebzig Prozent leben von der Landwirtschaft. Ernteausfälle sind da existenzbedrohend.

Welche Rolle spielt Bodenerosion?

Durch die zunehmenden Regenfälle ist die Gefahr von Erdrutschen sehr viel größer geworden. Und die Auswirkungen sind schwerwiegender. Ganze Häuser werden von den Schlammlawinen zerstört, Hunderte von Familien werden obdachlos. 1998 hatten wir zum ersten Mal fünf Tote zu beklagen. Seitdem kommen jedes Jahr Menschen durch Erdrutsche zu Tode. Um das Schlimmste zu verhindern, haben wir ein Frühwarnsystem aufgebaut.

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Die Climate Field School im indonesischen Südsulawesi: Mehr Ernteerträge durch klimafreundliche Ökolandwirtschaft. (Foto: kra)

Wie funktioniert das Frühwarnsystem?

In jedem Dorf gibt es ein Team, das die Gefahr von Erdrutschen in den umliegenden Bergen überwacht. Jedes Team erhebt Daten, die in der Stadt gesammelt und ausgewertet werden. Bei Anzeichen für einen bevorstehenden Erdrutsch wird die Distriktverwaltung verständigt, die dann weitere Schritte unternehmen kann. Außerdem bringen wir den Dorfbewohnern Erste-Hilfe-Maßnahmen bei, damit im Ernstfall möglichst viele Leute helfen können.

Wie sehen Ihre anderen Projekte aus?

Die Bauern brauchen Unterstützung, um sich an die veränderten Niederschlagsmuster anzupassen. Und sie brauchen Informationen, wie das geht. Eines unserer Projekte ist die Climate Field School, in der wir die Grundlagen einer klimafreundlichen Ökolandwirtschaft vermitteln. Alle zwei Wochen findet ein Treffen statt. Dreißig Bauern aus der Region nehmen derzeit daran teil. Knapp die Hälfte davon sind übrigens Frauen.

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Aufforstungsprogramm: Am aussichtsreichsten sind Obstbäume. (Foto: kra)

Was unterrichten Sie in der Climate Field School denn genau?

Schwerpunkt ist der Anbau von Kaffee und Reis. Wir zeigen den Bauern, wie man Reis effizienter anbauen kann, mit einer neuen Methode namens SRI – System of Rice Intensification. Die Methode ist ökologisch und bringt gut 30 Prozent mehr Ertrag. Außerdem unterrichten wir die Herstellung von Dünger auf organischer Basis.

Nämlich wie?

Aus alten Früchten. Der Schlüssel ist immer, dass man eine möglichst einfache Methode wählt. Das funktioniert am besten. In unserer Region sind viele Böden durch den jahrelangen konventionellen Anbau von Kaffee stark ausgelaugt, die Ernte geht zurück. Mit dem organischen Dünger lässt sich diese Entwicklung stoppen, die ausgelaugten Böden erholen sich wieder. Nach unseren Erfahrungen verbessert sich die Ernte dadurch ebenfalls um rund ein Drittel.

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Frauen fertigen effizientere Herde, die rund 60 Prozent weniger Feuerholz verbrauchen. (Foto: kra)

Was macht Ihr Projekt zu einem Leuchtturmprojekt?

Auf der einen Seite versuchen wir, Maßnahmen zur Anpassung und zur Vermeidung miteinander zu verbinden. Also: Mehr Ernteerträge, aber weniger Emissionen. Wir haben auch ein Aufforstungsprogramm, und wir zeigen den Leuten, wie ein effizienter Herd aussehen muss, der 60 Prozent weniger Feuerholz braucht.

Und auf der anderen Seite?

Alle unsere Aktivitäten planen wir mit den Betroffenen zusammen. Bei dem Aufforstungsprogramm zum Beispiel hat sich gezeigt, dass die gepflanzten Bäume sehr schnell wieder abgeholzt wurden, weil die Familien Brennholz brauchten. Also pflanzen wir jetzt Obstbäume, vor allem Mangos. Das bringt den Dorfbewohnern einen zusätzlichen Gewinn, die Bäume bleiben stehen. Darüber hinaus kooperieren wir mit Professor Rizaldy Boer vom Center for Climate Risk and Opportunity Management der Landwirtschaftlichen Universität in Bogor, damit auch andere Regionen von unseren Erfahrungen profitieren können.

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30 Prozent mehr Reisertrag ist möglich durch das ökologische "System of Rice Intensification". (Foto: kra)

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Unser Traum ist, die Kaffeebauern irgendwann einmal mit großen Firmen wie Starbucks zusammenzubringen. Unser Kaffee ist wirklich sehr gut.

Interview: Verena Kern