IPCC-Arbeitsgruppe 2: Bericht, Mittwoch, 07. Mai 2014 14:41

Wo der Klimawandel am meisten schmerzt

Neuere Forschung: Künftig werden Regionen auf dem afrikanischen Kontinent unter mehreren Folgen des Klimawandels gleichzeitig zu leiden haben. Eine Studie hat drei Gebiete südlich der Sahara ausgemacht, in denen ungünstige Faktoren zusammentreffen. Auch wenn die Prognosen noch Unsicherheiten aufweisen, raten die Forscher: Die Regionen sollten schon jetzt mit Gegenmaßnahmen beginnen. 

Aus Berlin Peter Jopke

Afrika wird sich künftig mit "Brennpunkten des Klimawandels" auseinandersetzen müssen. Das sind Regionen des Kontinents, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unter mehreren Folgen des Klimawandels gleichzeitig leiden werden: Überschwemmungen, Dürren, Missernten und Ökosystemschäden verschiedener Art. Eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sieht schon in ein paar Jahrzehnten drei Regionen erheblich gefährdet: Teile der Nachbarstaaten Sudan und Äthiopien, die Länder rund um den Victoriasee sowie der südwestliche Teil des Kontinents mit Teilen Südafrikas, Mosambiks und Simbabwes.

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Flut in Simbabwe: Verschiedene Auswirkungen des Klimwandels werden das Land wohl in Zukunft stärker treffen. (Foto: mercyair.ch)

In diesen Regionen Afrikas südlich der Sahara treffe eine Kombination von hoher Wahrscheinlichkeit und potenziell starken Folgen des Klimawandels auf vergleichsweise dicht bevölkerte Gebiete mit hohen Armutsraten, so die Wissenschaftler. Genau hierauf haben die Forscher ihr Augenmerk gerichtet. "Wir versuchen die Orte zu ermitteln, wo der Klimawandel am meisten schmerzt", sagt Christoph Müller, Leitautor der Studie. Bislang hätten die meisten Studien nur einzelne Aspekte der Klimawandelfolgen betrachtet, obwohl gerade das gleichzeitige Eintreten mehrerer Klimafolgen die Verwundbarkeit erhöht.

Aber die Forscher sprechen auch von ermutigenden Signalen. "Die gute Nachricht ist, dass große Länder wie Nigeria und der tropische Regenwald in der Kongo-Region wahrscheinlich weit weniger betroffen sind", sagte Müller. Nigeria ist mit rund 170 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land in Afrika. Doch vom Klimawandel verschont bleibt auch dieser Staat nicht. An der Küste von Lagos etwa steigt der Meeresspiegel und überschwemmt Siedlungsgebiete. Im Norden breitet sich die Wüste aus – Sanddünen lassen ganze Dörfer verschwinden.

Geeignete Anpassungsmaßnahmen je nach Ort verschieden

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, wie wichtig es für die betroffenen Regionen bereits jetzt sei, Strategien zur Bewältigung der Klimafolgen zu entwickeln – etwa für Bauern und Hirten im südlichen Sahel, die mit immer häufigeren, intensiveren Trockenzeiten zu kämpfen haben werden. Oder bei Überflutungen: Hier könnten auch Maßnahmen gegen eher unwahrscheinliche Überschwemmungen Sinn ergeben, wenn die zu erwartenden Schäden beträchtlich sind. Geeignete Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich der Studie zufolge von Ort zu Ort.

Die Ergebnisse der Studie helfen dabei herauszufinden, in welchen Bereichen Staaten ihre begrenzten Ressourcen am besten einsetzen können. "Die vorliegende Studie bietet den Menschen in den Regionen Informationen, die sie dann hoffentlich für ihre Entscheidungen nutzen können", sagt Hermann Lotze-Campen, Leiter des PIK-Forschungsbereichs Klimawirkung und Vulnerabilität.

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Ein Zyklon sorgte 2012 für heftige Überschwemmungen in Simbabwe. (Bild: weather.co.zw)

Zwar sind die Prognosen der Wissenschaftler mit Risiken verbunden. Mit den Unsicherheiten müsse man aber leben, sagt Lotze-Campen. "Perfekte Daten" seien einfach nicht verfügbar. Aber: Computersimulationen könnten helfen, Wahrscheinlichkeiten und Intensität der Klimafolgen besser zu verstehen. Auf deren Grundlage müssten nun Entscheidungen getroffen werden.