IPCC-Arbeitsgruppe 2: Bericht, Montag, 26. August 2013 15:17

Ozeanversauerung gefährdet Leben im Meer

Mittlerweile binden die Ozeane ein Viertel des durch den Menschen verursachten Kohlendioxids. In welchem Ausmaß das die maritime Zukunft bedroht, zeigt eine Studie des Alfred-Wegener-Instituts.

Aus Leipzig Eva Mahnke

Die Versauerung der Weltmeere bedroht die darin lebenden Tierarten. In welchem Ausmaß, das haben Forscher des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI) in einer jetzt im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlichten Studie zusammengetragen. "Unsere Studie hat gezeigt, dass alle Tiergruppen, die wir betrachtet haben, negativ von erhöhten Kohlendioxidkonzentrationen betroffen sind", sagte Astrid Wittmann vom AWI. "Vor allem Korallen, Stachelhäuter und Weichtiere reagieren sehr empfindlich auf einen sinkenden pH-Wert."

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Die Ozeane werden im Zuge des Klimawandels nicht nur wärmer, sie versauern auch zunehmend, wie sinkende pH-Werte zeigen. (Foto: Konstanze Staud)

Die Ozeane binden ein Viertel des durch den Menschen emittierten Kohlendioxids. Wird das CO2 im Wasser gelöst, entsteht Kohlensäure – das Wasser versauert nach und nach, der pH-Wert sinkt. Die Wissenschaftler haben analysiert, wie sich diese Ozeanversauerung auf die Fitness der einzelnen Arten auswirkt. "Wir haben beispielsweise untersucht, ob sich der Stoffwechsel, das Wachstum, die Kalkbildung oder das Verhalten bei erhöhten Kohlendioxidkonzentrationen verändern", erklärte der Meeresbiologe Hans-Otto Pörtner, der sich am AWI seit Langem mit der Ozeanversauerung befasst.

Ergebnis: Die Tiere kommen unterschiedlich gut mit den veränderten Lebensbedingungen zurecht. Fische bewegen sich viel und können einen fallenden pH-Wert in ihrem Blut wieder ausgleichen. Korallen dagegen können das nicht. Bei ihnen führt der niedrigere pH-Wert dazu, dass sie ihr Kalkskelett nicht mehr reparieren oder ausbauen können. Fast alle der untersuchten Arten sind jedoch von der Ozeanversauerung betroffen, die das AWI auch als den "bösen Zwilling der Klimaerwärmung" bezeichnet.

Für ihre Arbeit haben die Wissenschaftler Daten aus 167 Studien zu mehr als 150 verschiedenen Arten ausgewertet. Die Studie ist im Rahmen des fünften Sachstandsberichts des Weltklimarates IPCC entstanden. Zum ersten Mal dokumentiert der IPCC hierin auch umfassend die Folgen des Klimawandels für die Ökosysteme der Ozeane. Neben der steigenden Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre muss nach Ansicht von Klimaforschern die Versauerung der Meere stärker als bisher berücksichtigt werden.