IPCC-Arbeitsgruppe 3: Bericht, Sonntag, 19. Januar 2014 16:18

IPCC: Zum Umsteuern nur 15 Jahre Zeit

Der Weltklimarat befürchtet einen wirtschaftlichen Zusammenbruch, wenn die CO2-Emissionen nicht sofort gesenkt werden. Das geht aus dem geleakten Entwurf zum 3. Teil des IPCC-Entwurfes hervor. Die Wissenschaftler warnen die Industrieländer: Emissionen, die sie als eingespart verbuchen, sind nur in Drittstaaten verschoben.

Aus Berlin Susanne Schwarz

In 15 Jahren wird es unmöglich sein, mit den bestehenden Technologien den Klimawandel aufzuhalten – sofern die Kohlendioxidemissionen nicht sofort deutlich begrenzt werden. So steht es in einem Berichtsentwurf des Weltklimarates der Vereinten Nationen, der in dieser Woche verschiedenen englischsprachigen Medien zugespielt wurde und über den unter anderem die New York Times berichtet. Sollten die Staaten demnach beim Einsparen versagen, müssten zukünftige Generationen Technologien entwickeln, um der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen und dieses wirksam zu speichern, heißt es in dem Report der IPCC-Arbeitsgruppe 3 zur Emissionsminderung.

Die Autoren warnen: Falls solche Technologien überhaupt einmal einsatzfähig werden, dürften sie wesentlich teurer sein als die Einleitung nötiger Schritte zum jetzigen Zeitpunkt. Derzeit werde aber mehr Geld in die Subvention von fossilen Energieträgern gesteckt, als in die Förderung erneuerbarer Energiequellen. Die steigenden Emissionen aus der weltweit vermehrten Nutzung von Kohlekraftwerken seien ein großes Risiko. 

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Extremwetterereignisse wie das Hochwasser an der Elbe in Dresden werden mit ihren Schäden zunehmen, warnt der IPCC. (Foto: Matthias Rietschel)

Im vergangenen Jahr war der Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre erstmals über 400 ppm (parts per million) gestiegen. Damit wurde eine symbolträchtige Schwelle überschritten, gilt doch die 450-ppm-Marke als oberster Wert, um das Zwei-Grad-Ziel noch einhalten zu können. 

Zudem warnten die Forscher den Unterlagen zu Folge vor dem Trugschluss, dass die reichen Staaten ihre Treibhausgasproduktion tatsächlich minderten - wenn sie fallende Emissionen vermeldeten. Mit der Globalisierung seien auch die Treibhausgase global geworden, viele im reichen Deutschland konsumierten Waren kämen inzwischen aus Asien, wo die Emissionen weiter anwachsen.  

Nächstes IPCC-Kapitel erscheint im März

Auch die neue Bundesregierung in Berlin möchte sich von fossilen Kraftwerken nicht verabschieden. Gerade gestern waren Reformpläne von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in Bezug auf die deutsche Energiewende bekannt geworden. In einem entsprechenden Eckpunktepapier des Ministers fällt der künftige Umgang mit Subventionen für fossile Kraftwerke unter den Tisch, während die Förderung für Erneuerbare gedeckelt werden soll. Zudem soll es mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt geben, was sich zugunsten der billigen, aber besonders klimaschädlichen Braunkohle auswirken könnte.

Seit September 2013 läuft die Berichtssaison zum 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC. Veröffentlicht ist bereits der Bericht der Arbeitsgruppe 1 zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen. Im März und April folgen Teil 2 zur Klimaanpassung und der nun im Entwurf durchgesickerte Teil 3 zur Emissionsminderung. Diese Berichte befinden sich derzeit in der Endbearbeitung: Die Regierungsgutachten an den IPCC zum 2. Teil sind schon abgegeben, bis zum 11. Februar ist noch für den dritten Teil Zeit.

Ende Oktober wird der sogenannte Synthesebericht mit der Kernbotschaft vorgelegt. Mehr als 800 Autoren aus 32 Ländern arbeiten am IPCC-Bericht mit. Normalerweise ist mit den Autoren und den vielen tausend Gutachtern Stillschweigen und Vertraulichkeit vereinbart. In der Vergangenheit hatten dies aber vor allem Klimaskeptiker unterwandert oder missbraucht, um vor Veröffentlichung des Gesamtberichtes mit einzelnen Teilaspekten Stimmung gegen den Weltklimarat zu machen.