IPCC-Arbeitsgruppe 3: Bericht, Sonntag, 06. April 2014 12:16

Die Woche der Arbeitsgruppe drei

Auftakt zum Finale der 3. Arbeitsgruppe des Weltklimarates: Bis zum Wochenende soll in Berlin die "Zusammenfassung für Entscheidungsträger" gefunden werden. Diesmal geht es um den Schutz der Atmosphäre: Die Forscher empfehlen, fossile Energien nicht mehr mit Subventionen zu überschütten, sondern zu besteuern und einzudämmen.

Aus Berlin Benjamin von Brackel

Jetzt geht es um die "Verminderung des Klimawandels": Ab Montag trifft sich die Arbeitsgruppe 3 des Weltklimarates IPCC, um an ihrem Teilband des Fünften Sachstandsberichts zum Stand der Klimaforschung zu arbeiten. Die Vorarbeit haben die Arbeitsgruppen 1 und 2 bereits erledigt. Sie haben die physikalischen Grundlagen zusammengefasst und die Folgen der Erderwärmung für Mensch und Natur skizziert. Darauf kann die Arbeitsgruppe 3 jetzt aufbauen, die sich der Frage widmet, wie der Klimawandel abgeschwächt werden kann.

Bild
Wird die Erkenntnisse der Arbeitsgruppe 3 mit seinen Ko-Vorsitzenden Ramón Pichs Madruga und Youba Sokona vorstellen: Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. (Foto: Stephan Roehl/HBS)

Bis zum 11. April tagen im Berliner Hotel Estrel die Forscher des Weltklimarats, um mit den Staatsvertretern der UNO-Mitglieder die Formulierungen für die Summary for Policymakers zu finden. In dieser Summary wird quasi die Kernbotschaft des hunderte Seiten starken Berichts der Arbeitsgruppe 3 zusammengefasst. Veröffentlicht werden soll sie am 13. April mit einer Pressekonferenz.

Gegenüber dem Vorgängerbericht aus dem Jahr 2007 schlägt der aktuelle Report noch stärker Alarm: Sollten wir es nicht schaffen, in den kommenden 15 Jahren zu einer Treibhausgas-armen Wirtschaft zu gelangen, ist die Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad so gut wie aussichtslos. Nicht nur das: Der Kampf gegen den Klimawandel wird dann nicht mehr bezahlbar und technisch kaum zu leisten.

Zwar boomen die Erneuerbaren – Kohle aber auch

Derzeit geht der Trend genau in die falsche Richtung: Die Emissionen steigen – und zwar so schnell wie nie zuvor. Zwar erleben die erneuerbaren Energien dank der in Deutschland losgetretenen weltweiten Energiewendebewegung einen wahren Boom – Kohlekraftwerke allerdings auch. Vor allem in den Schwellenländern wie China, Brasilien und der Türkei ist der Hunger nach Energie groß und nehmen die Emissionen zu.

Ändert sich nichts an der Situation, könnte schon 2030 die kritische Schwelle von 450 ppm Kohlendioxid in der Atmosphäre überschritten werden – Temperaturanstiege von mehr als vier Grad bis Ende des Jahrhunderts werden dann wahrscheinlich. Das allerdings würde das derzeitige Klimasystem aus dem Lot bringen – auf die Klimaänderungen könnte sich der Mensch dann nur schwer einstellen. Die Frage ist also: Sollte man jetzt Geld in die Hand nehmen, um den Klimawandel aufzuhalten, oder weitermachen wie zuvor, um dann später noch mehr Geld auszugeben, um sich notgedrungen anzupassen?

CO2-Steuern statt Emissionshandel

Der aktuelle fast tausend Seiten dicke Teilbericht empfiehlt vor allem, das Verbrennen von fossilen Brennstoffen einzudämmen. Von den weltweit 1.200 Milliarden Dollar Invesitionen in die Energieversorgung fließen derzeit nur 350 Milliarden in Treibhausgas-arme Technologien. Die 234 Hauptautoren aus 54 Ländern fordern in ihrem Bericht, die Subventionen für Kohle und Co abzubauen. Die Emissionshandelssysteme hätten hingegen bisher kaum etwas gebracht – sinnvoller seien Kohlendioxid-Steuern, die zu einer Entkopplung von Emissionen und Wirtschaftswachstum beitragen könnten.

Angesetzt werden soll aber auch im Verkehr, bei den Gebäuden, in der Industrie und der Land- und Forstwirtschaft. Gegen Kritik sind die Wissenschaftler diesmal besser gewappnet als bei den vorigen Berichten: Die Datenbasis der Fachliteratur ist deutlich breiter, die Emissionsdaten sind aktueller und die Erfahrungen aus Klimaschutzprojekten reichhaltiger. Neu ist ein eigenes Kapitel zur Stadtentwicklung, und erstmals geht es auch um Fragen der gerechten Verteilung von Investitionskosten und der nachhaltigen Gesamtentwicklung sowie der Gesundheit. Auch das umstrittene Geo-Engineering wird in dem Bericht aufgeführt.

Bild
Die Emissionen steigen weltweit – vor allem weil die Schwellenländer nach Energie hungern. Aber auch, weil die Industriestaaten ihre Produktion dorthin auslagern. (Foto: Nick Reimer) 

Der Teilbericht der dritten Arbeitsgruppe ist so etwas wie der Höhepunkt beim 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates: Für September hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Staats- und Regierungschefs der Welt an den Sitz der UNO nach New York eingeladen, um abzufragen, welchen Beitrag jeder Staat zum weltweiten Klimaschutz leisten kann. Es geht um die Reduktionsziele, die dann in den Verhandlungsprozess der Weltklimadiplomatie eingehen sollen. Die Arbeitsgruppe 3 wird jetzt die Größenordnung aufzeigen, die insgesamt erreicht werden muss. Entsprechend umkämpft wird das Ergebnis sein.

Abgeschlossen ist die Berichtssaison zm 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates damit aber noch nicht. Auf dem Programm steht noch der Synthesebericht: Die Agenda für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wird zwischen dem 27. und 31. Oktober in Kopenhagen ausgehandelt.