IPCC-Arbeitsgruppe 3: Bericht, Montag, 07. April 2014 16:33

Mahnende Worte zum Konferenzauftakt

Auftakt der Abschlusskonferenz der Arbeitsgruppe 3 des Weltklimarats: Im Berliner Nobelhotel Estrel verhandeln die Wissenschaftler bis zum Wochenende mit Vertretern von 130 Staaten. Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth: "Ein Nachlassen im Klimaschutz können wir uns nicht leisten".

Aus Berlin Charlotte Schumann

Wenn sich Hunderte von Wissenschaftlern des UN-Klimarats IPCC mit der Politik streiten: Im Berliner Konferenzhotel Estrel ist heute die Abschlusstagung der Arbeitsgruppe 3 eröffnet worden. Der Schwerpunkt liegt auf mitigation – Entschärfung oder Abmilderung der Erderwärmung durch Reduktion von Treibhausgasen. Vier Jahre lang haben die Wissenschaftler an dem Bericht gearbeitet, der auf 2.000 Seiten angewachsen ist; in Berlin wird nun bis zum Samstag die "Zusammenfassung für die politischen Entscheidungsträger" verabschiedet. Die Veröffentlichung ist für den kommenden Sonntag geplant.

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Ist eröffnet: Neben dem Ko-Vorsitzenden Youba Sokona sitzt Ottmar Edenhofer, in der Mitte Staatssekretär Jochen Flasbarth, daneben IPCC-Chef Rajendra Pachauri und der deutsche Bildungsstaatssekretär Georg Schütte (v.l.n.r.). (Foto: BMUB)

"Am Klimaschutz führt kein Weg vorbei", sagt der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri am Montag. Ottmar Edenhofer, einer der beiden Vorsitzendenden der  Arbeitsgruppe 3, sagt, es gehe darum, "gefährliche Störungen des Klimasystems zu verhindern". Neben dem deutschen Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung steht dem Gremium der Malier Youba Sokona vor, Koordinator am African Climate Policy Centre.

Gekommen zur Eröffnungssitzung ist auch der deutsche Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth, der zuvor als Chef des Umweltbundesamtes stets die Regierungen zu mehr Klimaschutz angespornt hat. Nun sagt der Politiker Flasbarth: "Nur wenn wir deutliche Reduzierungen unserer Emissionen beschließen und umsetzen, werden wir weiterhin eine Chance haben, die Erderwärmung in einigermaßen beherrschbaren Grenzen zu halten". Ein Nachlassen im Klimaschutz könnten wir uns nicht leisten, so Flasbarth.

Deutschlands Klimaschuld wächst

Trotz Kyoto-Protokoll haben die globalen Treibhausgas-Emissionen im vergangenen Jahrzehnt deutlich zugenommen – sogar schneller als je zuvor. Zwischen 2000 und 2010 stiegen sie um durchschnittlich 2,2 Prozent pro Jahr, in den Dekaden seit 1970 waren es lediglich 0,5 bis 1,9 Prozent jährlich. Die Wirtschaftskrise 2008 ließ den Ausstoß an Treibhausgasen nur kurzzeitig sinken, der langfristige Aufwärtstrend blieb ungebrochen.

Zuletzt stieg dann auch der Ausstoß beim "Klimaweltmeister Deutschland" wieder an – und das seit 2010 bereits zum zweiten Mal in Folge: Um 1,2 Prozent ist der Treibhausgasaustoß im vergangenen Jahr gestiegen. Das klingt zunächst nicht viel. Aber die zwölf Millionen Tonnen, die Deutschland im vergangenen Jahr mehr in die Atmosphäre gepustet hat, sind mehr als das, was Zypern mit seiner einen Million Einwohner innerhalb eines Jahres ingesamt ausstößt.

Dass Deutschland sein Klimaziel für 2020 erreicht, wird damit immer unwahrscheinlicher. Um die Marke von minus 40 Prozent bis 2020 nicht zu reißen, müsste das Land ab sofort jährlich 27 Millionen Tonnen Treibhausgase einsparen – so viel, wie ganz Kroatien zu verantworten hat.

Zeit also, dass ein Flasbarth-Nachfolger als neuer Chef des Umweltbundesamtes die Bundesregierung auffordert, sich mehr um den Klimaschutz zu kümmern. Denn der jetzige Staatssekretär im Bundesumweltministerium Flasbarth sagt heute: "Der aktuelle Bericht kommt genau zur richtigen Zeit, um das wissenschaftliche Fundament für die anstehenden Entscheidungen zu liefern." Flasbarth meint die internationalen Entscheidungen. Denn nur ein paar Kilometer entfernt arbeitet die SPD zur gleichen Zeit daran, in Deutschland die Energiewende abzubremsen.