IPCC-Arbeitsgruppe 3: Bericht, Sonntag, 13. April 2014 11:38

Arbeitsgruppe drei veröffentlicht Ergebnisse

Der Weltklimarat IPCC hat heute in Berlin den dritten Teil seines Fünften Sachstandberichts veröffentlicht. Die Zusammenfassung für Entscheidungsträger zeigt, dass das Zwei-Grad-Ziel immer noch erreicht werden kann – wenn die weltweite Energieversorgung schnell und grundlegend umgebaut wird.

Aus Berlin Susanne Schwarz

Eine Woche lang haben die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe 3 des Weltklimarats IPCC mit Politikern der UN-Mitgliedsstaaten in Berlin verhandelt. Es ging um den genauen Wortlaut ihres Beitrags zum 5. Sachstandsberichts des IPCC in der Summary for Policymakers, der Zusammenfassung für Entscheidungsträger. Die Aufgabe des dritten Teilberichts ist brisant: Er soll zeigen, wie die Erde noch vor dem Klimawandel zu retten ist und weiter von Menschen bewohnt werden kann. Heute hat der Weltklimarat das Ergebnis vorgestellt.

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Die Verbrennung fossiler Energien – hier: Kohle – hat im vergangenen Jahrzehnt am stärksten zum Anstieg der Treibhausgas-Emissionen beigetragen. (Foto: Nostrifikator/Wikimedia Commons)

Der Bericht zeichnet ein dramatisches Bild: Trotz aller internationalen Klimaverhandlungen und -abkommen hat eigentlich noch niemand so richtig begonnen, die Treibhausgas-Emissionen zu senken. Ganz im Gegenteil, sie sind sogar gestiegen. Eine globale Erwärmung von vier bis fünf Grad Celsius, wenn nicht mehr, erwarten die Wissenschaftler, sofern wie bisher weitergemacht wird.

Für den Löwenanteil des Emissionsanstiegs ist dem Bericht zufolge die Verbrennung von fossilen Energieträgern verantwortlich, nämlich für fast 80 Prozent. Zu spät, um das Ruder herumzureißen, sei es aber nicht, schätzen die Verfasser ein. Das Zwei-Grad-Ziel sei durchaus noch zu erreichen – eventuell, aber mit wesentlich geringerer Wahrscheinlichkeit, sogar ein "Anderthalb-Grad-Ziel".

Kohleausstieg ist alternativlos

Die Benennung der Hauptursache für Treibhausgasemissionen legt es schon nahe, der Bericht betont es aber auch noch einmal ausdrücklich: Dafür ist eine Revolution des Energiesektors notwendig. Die Kohlendioxid-Emissionen der Branche müssen langfristig gegen Null gehen, wenn die zwei Grad Erwärmung nicht überschritten werden sollen. Im Klartext: Die Kohle muss verschwinden aus dem globalen Energiemix.

Seit dem 4. Sachstandsbericht des IPCC aus dem Jahr 2007 seien die erneuerbaren Energien sowohl technisch als auch wirtschaftlich viel weiter entwickelt worden – genug, um den Kohleausstieg zu schaffen, sagen die Forscher. Gleiches gelte nicht für die Atomkraft oder CCS. Die umstrittenen Technologien stoßen zwar auch weniger Kohlendioxid aus – die globale Energiewende sei mit den Erneuerbaren aber leichter und schneller umzusetzen, rät der Weltklimarat. Es sei aber nicht nur die Umstellung von einer Technologie auf die andere nötig, auch die Energieeffizienz müsse gesteigert werden.

Kostenbilanz spricht für schnellen Klimaschutz

Wenn – wie vom Weltklimarat für nötig befunden – vier Fünftel der Kohlevorkommen im Boden bleiben sollen, hat das natürlich wirtschaftliche Auswirkungen für die bisherigen Kohleproduzenten und -exporteure. Ähnliches gilt für Erdölhändler. Eine Senkung des weltweiten Wirtschaftswachstums um 0,06 Prozent erwartet der Klimarat, wenn die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden. Aber: Die Kosten für die Anpassung an einen "ausgewachsenen" Klimawandel seien wesentlich größer, warnt der IPCC. Im Endeffekt könne mit dem Klimaschutz rechnerisch sogar Gewinn gemacht werden.

Der Weltklimarat appelliert deshalb an die Politik: Wer früh mit den nötigen Maßnahmen anfängt, muss später weniger zahlen. Die Klimaschutz-Technologien könnten außerdem mit fortschreitendem Klimawandel immer weniger greifen.

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Nur ein Fünftel der Kohlevorkommen darf noch verbrannt werden, wenn das Zwei-Grad-Ziel eingehalten werden soll. Zu diesem Schluss kommt die Arbeitsgruppe 3 des Weltklimarates. (Foto: RTA)

Obwohl die bisherigen internationalen Klimagipfel noch nicht den gewünschten Erfolg bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen hatten, sieht der IPCC die jährlichen Konferenzen als wichtiges Instrument für den Klimaschutz. Dort könne immerhin ausgehandelt werden, wie die Lasten fair unter den Nationen aufzuteilen sind. 

Die Grundlagen haben die Arbeitsgruppen 1 und 2 des Weltklimarats bereits gelegt. Hunderte Forscher aus aller Welt haben in den entsprechenden Teilberichten die Erkenntnisse über die physikalischen Grundlagen zusammengefasst und die Folgen der Erderwärmung für Mensch und Natur skizziert.