IPCC-Arbeitsgruppe 3: Bericht, Freitag, 11. April 2014 12:05

Klimaschützer haben den IPCC satt

Protest vor dem Konferenzhotel des Weltklimarates, der in Berlin gerade den 3. Teilbericht abstimmt: Staatsgelder sollen nicht mehr für neue fossile Kraftwerke fließen, sondern für Energieeinsparung und erneuerbare Energien, fordert der WWF. Besonders die Kohleindustrie dürfe nicht "künstlich am Leben gehalten werden".

Aus Berlin Peter Jopke

WWF-Protest heute vor den Türen des Berliner Nobelhotels Estrel. Hier verhandeln derzeit Hunderte von Wissenschaftlern des UN-Klimarats mit der Politik. Am Sonntag soll die "Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger" der Arbeitsgruppe 2 des IPCC-Berichts veröffentlicht werden. Das Thema heißt mitigation – Klimaschutzmaßnahmen. Genau darum geht es auch dem WWF. Die beste Klimaschutzmaßnahme, findet die Naturschutzorganisation, wäre ein Subventionsstopp für fossile Energieträger.

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WWF-Protest vor dem "Estrel" in Berlin-Neukölln, wo der Weltklimarat tagt. (Foto: Peter Jopke)

Die staatlichen Gelder sollten nach Ansicht des WWF besser in Energieeffizienz und erneuerbare Energien fließen. Auch Banken, Investoren und Finanzdienstleister sollten viel mehr in Ökoenergie und Energiesparen investieren und sich von klimaschädlichen Projekten abwenden. In Erneuerbare und Effizienz werde weltweit nur ein Viertel so viel investiert wie in Kohle, Gas und Co. "Das müssen wir umdrehen", fordert WWF-Direktor Stephan Singer, beim Weltverband zuständig für Energiepolitik. Erneuerbare Energien würden immer wettbewerbsfähiger, doch noch immer drückten Subventionen die Preise fossiler Energieträger nach unten.

Fossil-Subventionen 25-mal so hoch wie bei Erneuerbaren

"Die Subventionen für fossile Brennstoffe liegen weltweit bei 2.000 Milliarden US-Dollar. Bei den erneuerbaren Energien sind es 80 Milliarden", rechnet Singer vor. "Da sollte man sich nicht darüber wundern, dass erneuerbare Energien zum Teil teurer sind." Besonders die emissionsreiche Kohleindustrie dürfe nicht weiter "künstlich am Leben gehalten werden", heißt es beim WWF.

Ende 2015 soll in Paris ein neues Klimaschutzabkommen unterschrieben werden. Im Gegensatz zum bisherigen Kyoto-Protokoll soll der neue Klimavertrag nicht nur Industrienationen, sondern auch Schwellen- und Entwicklungsländer einbeziehen. Stephan Singer gibt sich optimistisch. Er sei "guter Hoffnung", sagt er. Viel habe sich in den vergangenen Jahren getan, auch bei Ländern, wo es nicht zu erwarten gewesen sei. So habe das für seine Klimapolitik kritisierte Saudi-Arabien massiv in Solar- und Windenergie investiert und der Emissionsriese China habe sich zum Weltmeister der Öko-Investitionen entwickelt. Das habe vor allem ökonomische Gründe gehabt.

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Der einarmige Bandit symbolisiert: Keine Subventionen mehr verzocken auf Kosten des Klimas! (Foto: Peter Jopke)

Zeitgleich veröffentlichte der WWF heute einen Report mit Fallstudien aus Ländern wie Indien, China, Norwegen oder Südafrika, der zeigt, wie vielfältig erneuerbare Energien weltweit gefördert und Treibhausgase reduziert werden können. Die Studie nennt auch die wichtigsten sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und ethischen Argumente für mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. Sie soll zeigen, wie das Zwei-Grad-Limit durch grundlegende Veränderungen bei der Energiegewinnung und den Konsummustern noch eingehalten werden kann.