Synthese-Kapitel: Bericht, Freitag, 31. Oktober 2014 14:31

Endspurt beim letzten Band

Seit Montag wird in Kopenhagen über den vierten und letzten Band des Fünften Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC beraten. Pünktlich werden die Verhandler wohl auch diesmal nicht fertig, das Abschlussdokument muss wieder Zeile für Zeile abgesegnet werden. Doch was steht eigentlich drin im Synthese-Bericht?

Von Verena Kern

In Kopenhagen sitzen seit Montag Wissenschaftler und Regierungsvertreter zusammen, um das abschließende Synthese-Kapitel des Fünften Sachstandberichts des Weltklimarates IPCC zu verabschieden. Am heutigen Freitag sollen die Verhandler fertig werden – eigentlich. Doch die Sitzung wird sich wohl wieder "bis in die Nacht hinein" ziehen, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums. "So wie jedesmal." Auch bei den vorangegangenen drei Teilberichten dauerten die Abschlusstagungen länger als geplant. Die wichtige Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger, die schließlich Grundlage internationaler Klimaverhandlungen sein wird, muss Zeile für Zeile und Wort für Wort abgesegnet werden. Das dauert.

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Opening Session am Montag in Kopenhagen. Das vierte und letzte Kapitel des Fünften Sachstandsberichts – genauer: die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger – wird Zeile für Zeile von den Regierungen verabschiedet und angenommen. (Foto: IPCC)

Seit September 2013 veröffentlicht der IPCC Stück für Stück seinen Fünften Sachstandsbericht. Tausende Forscher haben in einem mehrjährigen Prozess gesichtet, was ihre Disziplin mittlerweile über den Klimawandel weiß (Arbeitsgruppe 1), welche Auswirkungen er auf Mensch und Natur hat (Arbeitsgruppe 2) und welche Möglichkeiten es gibt, ihn zu bremsen (Arbeitsgruppe 3). Nachdem im Frühjahr Teil 2 und 3 erschienen sind, wird nun in Kopenhagen der vierte und letzte Teil vorgelegt, der sogenannte Synthesebericht. Er "ist dazu da, die drei vorherigen Teilberichte zusammenzuführen", erläutert Gregor Laumann von der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle. "Es geht darum, integrierende Aussagen zu treffen und eine zusammenfassende Betrachtung vorzunehmen."

Kapitel 1 zu den wissenschaftlichen Grundlagen stellt fest: Der Klimawandel ist keine ferne Zukunft, er findet längst statt. Atmosphäre und Ozeane haben sich erwärmt, Schnee- und Eismengen sind zurückgegangen, der Meeresspiegel ist gestiegen. Hauptursache ist der Mensch. Zwar wird schon einiges für den Klimaschutz unternommen, doch die Treibhausgas-Emissionen steigen weiter rasant an. Die Folgen sind Hitzewellen, Wassermangel, Naturveränderungen, Ernteverluste. Seit 1998 ist zwar eine langsamere Erwärmung der Atmosphäre zu beobachten, doch dies geht auf kurzfristige und natürliche Klimaschwankungen zurück und bedeutet kein Ende des Klimawandels.

Kapitel 2 zu den Auswirkungen auf Mensch und Umwelt stellt fest: Ohne zusätzliche Emissionsminderungen droht eine Erwärmung um vier Grad. Der Klimawandel wird dann neue Risiken schaffen und bestehende verstärken; die Möglichkeiten zur Anpassung werden begrenzt sein. Als Folgen sind zu erwarten: ein beschleunigtes Artensterben, Einbußen in Landwirtschaft und Fischerei, schärfere Gesundheitsprobleme, Hungersnöte, mehr Flüchtlinge, mehr Bürgerkriege, mehr Armut. Die Wahrscheinlichkeit abrupter und unumkehrbarer Klimaveränderungen erhöht sich.

Kapitel 3 zu möglichen Gegenmaßnahmen stellt fest: Das fossile Zeitalter muss enden, und zwar bald. Ein Großteil der Kohle muss in der Erde bleiben. Kohlendioxidausstoß muss einen Preis bekommen; effektiver als der Emissionshandel ist eine CO2-Steuer. Schlüsselmaßnahmen sind der Umstieg auf Kohlendioxid-arme Energiequellen, Energiesparen und Veränderungen beim Konsum und in der Ernährung. Die Kosten für ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen wären gering. Und: Geoengineering ist keine aussichtsreiche Option.

Große Änderungen an diesen schon vorliegenden Kernaussagen sind laut Gregor Laumann "nicht zu erwarten". Schließlich stützen sie sich auf abgesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse – genau darum geht es ja bei den Sachstandsberichten des IPCC.

Doch an der Gewichtung einzelner Aussagen versuchen die Regierungsvertreter bei der Beratung des Abschlussdokuments dann doch zu drehen. Bestimmte Formulierungen werden abgeschwächt oder gleich ganz gestrichen. Sie tauchen dann nur noch in der Langfassung des Berichts auf.

Laut einem geleakten Entwurf der Synthese-Zusammenfassung will beispielsweise das Ölland Saudi-Arabien durchsetzen, dass die sogenannte Erwärmungspause nicht nur als fünfzehnjährige Phase von 1998 bis 2012 angegeben wird, sondern bis 2014. Die Umstellung auf Erneuerbare, soll das implizieren, ist nicht so eilig, man kann sich ruhig noch Zeit lassen.

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(Bild: IPCC)

Die USA und die EU versuchen hingegen durchzusetzen, dass die Kosten für mehr Klimaschutz als "fast bedeutungslos" bezeichnet werden, "gemessen am zu erwarteten Wirtschaftswachstum". Tatsächlich gehen die meisten Studien davon aus, dass eine Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens zwei Grad das Wirtschaftswachstum um 1,7 Prozent bis 2030, um 3,4 Prozent bis 2050 und um 4,8 Prozent bis 2100 bremsen wird. Allerdings wird das gesamte Wachstum bis zum Ende des Jahrhunderts voraussichtlich bei 300 bis 900 Prozent liegen.