IPCC-Arbeitsgruppe 2: Kommentar, Dienstag, 23. September 2014 18:21

"Größere Schäden als Bomben und Bürgerkriege"

Die Folgen des Klimawandels kosten längst mehr Menschen die Existenz als kriegerische Konflikte. Da die Industriestaaten weniger betroffen sind als die Entwicklungsländer, räumen sie der Reduktion von Treibhausgasen noch immer keine Priorität ein. Das muss sich ändern.

Ein Kommentar von Foezullah Talukder,
Christian Commission for Development in Bangladesh

Der Fünfte Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC zeigt mit aller Deutlichkeit: Der Klimawandel findet längst statt, und er betrifft alle Kontinente und alle Ozeane. Niemals in den letzten 800.000 Jahren gab es mehr Treibhausgase in der Atmosphäre als heute, niemals stieg die Konzentration von Kohlendioxid und Methan schneller an, niemals waren die Weltmeere stärker versauert, niemals stieg der Meeresspiegel schneller, nie war die Gefahr von Extremwetterereignissen, Überschwemmungen, Bodenversalzung und Ernteausfällen größer. Die beiden wichtigsten menschlichen Ressourcen – Wasser und Land – geraten durch den Klimawandel massiv unter Druck. Verursacher ist der Mensch mit seiner noch immer ungebremsten Produktion von Klimagasen.

13455pre_54b91295dd3bcdd.jpg?v=2014-09-23 18:08:34
Reis braucht viel Wasser und kann nur während der Regenzeit angepflanzt werden. Durch veränderte Niederschlagsmuster ist im Süden Bangladeschs oft nur noch eine Pflanzung pro Jahr möglich. Hier: Reisfeld nach der Ernte. (Foto: Verena Kern)

Weltweit ist eine wachsende Zahl von Menschen in ihrer unmittelbaren Existenz bedroht. Im vergangenen Jahr verloren 22 Millionen ihre Heimat durch Stürme, Erdbeben, Schlammlawinen – dreimal so viel wie durch kriegerische Konflikte. Der Klimawandel richtet längst größere Schäden an als Bomben und Bürgerkriege.

Die Entwicklungsländer sind dabei gleich mehrfach betroffen. Sie, die zum Klimawandel am wenigsten beigetragen haben, sind mit den größten und verheerendsten Katastrophen konfrontiert. Ihre fragilen Volkswirtschaften sind mit den Folgen überfordert. Entwicklung und die Überwindung von Armut werden zu kaum lösbaren Aufgaben, wenn die betroffenen Länder immer wieder mit extremen Wetterereignissen wie Dürren, Überschwemmungen und Stürmen sowie schleichenden Bodenverschlechterungsprozessen und Grundwasserversalzung zu kämpfen haben.

Mentalitätswandel nötig

Auch die Industriestaaten sind vom Klimawandel betroffen, doch sie stehen nicht mit dem Rücken zur Wand. Ihre Volkswirtschaften sind verhältnismäßig widerstandsfähig, zur Anpassung an den Klimawandel und zur Reparatur von Folgeschäden stehen ausreichend Mittel zur Verfügung. Aufgrund ihrer geringeren Betroffenheit räumen die entwickelten Länder der Reduktion von Treibhausgasen noch immer keine Priorität ein.

13452pre_2975fb1bc0d58d6.jpg?v=2014-09-23 18:02:01
Der Anstieg des Meeresspiegels lässt Böden und Grundwasser versalzen. Hier, im Süden Bangladeschs, ist vielerorts Trinkwasser rar. Der Weg zu einem Brunnen mit gefiltertem Wasser kostet die Frauen viele Stunden. (Foto: Verena Kern)

Dabei zeigt der aktuelle IPCC-Bericht, dass sich diese Mentalität ändern muss. Es ist jetzt Zeit, die Empfehlungen des Weltklimarates unter den Bürgern sowohl der Industriestaaten als auch der Entwicklungsländer zu verbreiten, damit alle daran arbeiten, den Klimawandel zu bremsen. Vielleicht ist der Ban-Ki-Moon-Gipfel, der gerade in New York stattfindet, dafür ein Anfang.

Übersetzung: Verena Kern

Foezullah Talukder ist Programmkoordinator des Leuchtturmprojekts Climate Change Adaptation der Entwicklungsorganisation Christian Commission für Development in Bangladesh (CCDB). Im Rahmen des Projekts baut die Organisation in dem besonders vom Anstieg des Meeresspiegels betroffenen Süden des Landes Brunnen und Entsalzungsanlagen und unterstützt den Anbau von salzresistenteren Pflanzen